Über FODOS
Geschichte und Entwicklung der österreichischen sozialwissenschaftlichen Forschungsdokumentation
Die Geschichte einer österreichischen sozialwissenschaftlichen Forschungsdokumentation reicht zurück bis ins Jahr 1984, zu diesem Zeitpunkt wurde die sozialwissenschaftliche Informationsstelle (SOWIS) der Universitätsbibliothek der Wirtschaftsuniversität Wien gegründet, ihre Aufgaben waren die Forschungsdokumentation, die Dokumentation grauer Literatur und die Informationsvermittlung. An maßgebender Position für das Entstehen der sozialwissenschaftlichen Informationsstelle war dabei Bettina Schmeikal beteiligt, welche für den Aufbau und die Leitung der SOWIS innerhalb der Universitätsbibliothek der WU Wien zuständig war.
Im Jahr 1986 wurde von SOWIS das Projekt der sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsdatenbank IDAS gestartet. Von Anfang an wurde dabei mit dem Informationszentrum Sozialwissenschaften in Bonn (IZ) und dem WISDOM durch Informations- und Datenaustausch kooperiert. Ziel des ehrgeizigen Vorhabens war es, eine möglichst vollständige Dokumentation aller in Österreich durchgeführten sozialwissenschaftlichen Forschungsprojekte zu schaffen. Es sollte nicht nur ein Überblick über universitäre Forschungen gegeben werden, auch die in einer großen Anzahl in Österreich betriebenen außeruniversitären Forschungsvorhaben sollten erfasst werden und Informationen über diese Projekte einer interessierten Forschungsgemeinschaft zur Verfügung gestellt werden. Wurden zu Beginn von IDAS diese Informationen noch über die Erfassung mittels postalisch versendeten Fragebögen gewonnen, so ermöglichte die rasche technische Entwicklung und die Entstehung des Internets ab der zweiten Hälfte der 1990er Jahre die Eingabe der Forschungsprojekte direkt online in das Datenbanksystem. Mittels des Internet veränderte sich auch die Form der Präsentation der gesammelten Informationen, von gedruckten Berichten, zu einem Online Suchsystem, mittels dessen sich eine gezielte Suche nach Forschungsvorhaben durchführen lies.
IDAS hatte sich somit über den zeitlichen Verlauf von fast 2 Jahrzehnten zu einem leistungsfähigem und nützlichen Instrument der österreichischen sozialwissenschaftlichen Infrastruktur entwickelt.
Gegen Ende dieser Periode schien dieses Projekt aus verschiedensten Gründen in seiner Weiterführung gefährdet, die Datenerfassung von neuen Forschungsvorhaben wurde eingestellt, die Datenbank konnte dadurch nicht auf den aktuellsten Stand gebracht werden und wurde daher zu einem eher für die historische Forschung nützlichem Instrument. Das WISDOM und Bettina Schmeikal entwickelten daraufhin im Frühjahr 2006 die Idee IDAS in irgendeiner Art und Weise weiterzuführen.
FODOS Version 1.0
Mittels der tatkräftigen Hilfe der Universitätsbibliothek der Wirtschaftsuniversität Wien konnten die bestehenden Daten an das WISDOM transferiert werden, und ein neues Konzept zur Weiterführung einer sozialwissenschaftlichen Forschungsdatenbank wurde erstellt. In einem ersten Schritt wurden die alten Datenbestände in neues Datenbanksystem migriert, auf ihre Vollständigkeit überprüft, bereinigt und mittels der österreichischen Systematik der Wissenschaftszweige neu klassifiziert und beschlagwortet. Um diesen Neuanfang auch auszudrücken, wurde mit FODOS (FOrschungsDOkumentationSozialwissenschaften) ein neues Akronym gefunden. In den nächsten Monaten wurde die Datenbank an die neuen Anforderungen angepasst und umgestaltet, in einem abschließenden Schritt wurde die Webanwendung programmiert.
Im November 2006 startete die Version 1 von FODOS mit einer 6-wöchigen Testphase im Internet; im Jänner 2007 wurde der Echtzeitbetrieb aufgenommen.
FODOS Version 2.0
Erfahrungen mit einer über einjährige Internetpräsenz von FODOS sowie diverse Rückmeldungen von Benutzern, verbunden mit neuen Perspektiven im Bereich der Sammlung und Archivierung von sozial- und geisteswissenschaftlichen Datenmaterial im Arbeitsbereich unseres Datenarchivs (WISDOM) führten Anfang des Jahres 2008 zum Entschluss, den Aufbau und die Struktur von FODOS neu zu überdenken und in weiterer Konsequenz einer kompletten Umstrukturierung zu unterziehen.
Mit den ersten Vorarbeiten wurde Anfang des Jahres begonnen: in diesem ersten Arbeitsschritt wurde der komplette Adressdatenbestand der Datenbank (über 3.000 Adresseinträge) einzeln gesichet und auf Aktualität hin überprüft. Dies erschien uns unabdingbar, da
- die Datendokumentation bis in die späten 80-er Jahre zurückreicht und viele Körperschaften und Institutionen gar nicht mehr, oder zumindest nicht mehr in der ursprünglich erfassten Form existieren (z.B. der Name/Bezeichung für ein und dasselbe Ministerium hatte sich im Laufe der unterschiedlichen Legislaturperioden mehrfach geändert)
- sich Adressdaten geändert haben (Ortswechsel) bzw. neu hinzugekommen sind (Email- und WWW-Links) und
- die alte Datenbankstruktur der übernommen Daten redundante Angaben zuließ (z.B. ein und dasselbe Ministerium: 5 mal unterschiedlich geschrieben und erfasst = 5 „verschiedene“ Institutionen); diese Struktur wurde in die Erstversion von FODOS übernommen.
Vor allem aber aufgrund der Tatsache, dass FODOS nicht als „historische“ Datensammlung sondern viel mehr als aktuelles Informationsmedium – mit periodischen Aktualisierungen - geplant ist, erschien es uns umso wichtiger, den übernommen „historischen“ Datenbestand zu bereinigen und an eine neue, modernerer Erfassungslogik anzupassen. Aus Dokumentationsgründen haben wir uns jedoch entschlossen, nicht mehr aktuelle Adressdaten trotzdem im System zu belassen, sie jedoch auf den Aussgabeseiten in FODOS explizit als solche zu kennzeichnen.
Die Auswertung des Webserverprotokolls lieferte die Erkenntnis, das vorwiegend die Such- und Informationsseiten von FODOS besucht wurden. Jener Bereich in FODOS, der nach einer kostenlosen Registrierung - online - für die Aufnahme neuer Forschungseinrichtungen und/oder Studien/Projekte bereitgestellt war, wurde von den Usern leider nur sehr wenig benutzt.Vielmehr wurden wir per Email von Forschungseinrichtungen über ihrer prinzipiellen Bereitschaft in Kenntnis gesetzt, uns ihre schriftliche Projektdokumentation für FODOS zu überlassen, eine direkte selbstständige Online-Eingabe in FODOS wäre aber aus Zeit- und Kostengründen von ihnen direkt nicht zu leisten.
Unser ursprünglich angestrebtes Konzept eines im Internet frei verfügbaren Informationsmediums, verwaltet und erweitert durch die „Webcommunity“ selbst, in Anlehnung an das Konzept der freien Internetenzyklopädie Wikipedia, schien leider nicht aufzugehen. Überdies war in der bestehenden FODOS-Version das Problem der Kontrolle neu erfasster Inhalte noch nicht geklärt:
neu eingefügte Daten/Informationen von Usern wurden zu öffentlich abrufbaren Inhalten auf unserer Homepage, entzogen sich aber jeglicher Kontrolle unsererseits.
Aufrunddessen haben wir uns bezüglich Vewaltung und Datenerfassung für die Version 2 von FODOS für eine andere Strategie entschlossen.
Verwaltung, Erweiterung und Aktualisierung von FODOS werden zukünftig vom WISDOM durch speziell (ein-)geschulte Mitarbeiter wahrgenommen.
Eine Mitte des Jahres durchgeführte Internetrecherche mit dem Ziel neue Forschungsprojekte für die Aktualisierung von FODOS zu rekrutieren, führte zum Entschluss, die bestende Datenbankstruktur um einige Rasterpunkte zu erweitern.
Zum einen erscheint es zweckmässig, den Beginn und das Ende eines Forschungsprojektes genauer zu dokumentieren (bisher nur Jahresangaben, neu: Monats- und Jahresangaben), zum anderen wird zukünftig – wenn vorhanden – bei einem Projekt auch eine direkte Ansprechperson (im optimalen Fall der Projektleiter) mit Namen und Kontaktadresse miterfasst.
Im Zuge dieser Arbeiten wurden auch 150 neue Projekte in FODOS aufgenommen.
Technische Plattform
Für die Version 2 von FODOS wurde sowohl das Webinterface einem kompletten „face-lifting“ unterzogen, als auch die programmtechnische Basis an die aktuellen Webtechnologien (AJAX, ASP.NET 2.0, CSS 2.0) angepasst. Als Erweiterung in diesem Bereich planen wir in naher Zukunft die komplette Website barrierefrei im Sinne der Zugänglichkeitsanforderungen nach WCAG1.0 (Web Content Accessibility Guidelines 1.0) zu gestalten.
Ausblick und Zukunft von FODOS
Schon seit längerem suchen und diskutieren wir über ein einheitliches Beschlagwortungssystem für FODOS. Eine rudimentär vorhandene, alte Beschlagwortung des „historischen“ Datenbestandes konnte leider aus datenbanktechnischen Gründen nicht übernommen werden und so musste die Basisversion von FODOS bislang ohne Beschlagwortung und somit auch ohne dem gewohnten Standard einer „Schlagwortsuche“ auskommen.
Für die aktuelle Version ist die Verwendung des Thesaurus von SOWIPORT in Planung. Aus diesem Anlass finden gegenwärtig Gespräche über die Nutzungsbedingungen und Möglichkeiten der technischen Implemtierung statt.