Frage I 1)
Welche allgemeinen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sind von der Osterweiterung bis 2010 in Österreich zu erwarten?
Zusammenfassung
Die Osterweiterung wird, wie andere Integrationsvorgänge auch, in den beteiligten Ländern zu Wohlstandsgewinnen (d.h. BIP-Steigerungen) führen. Diese Gewinne werden in den MOEL 10-mal größer sein als in den gegenwärtigen EU-Mitgliedstaaten, wobei die Zuwächse je nach Beitrittsland bzw. Kandidatenland zwischen 3% und 8% streuen. Österreich wird innerhalb der EU am meisten von der Osterweiterung profitieren, die Wohlstandssteigerungen werden allerdings mit etwa 0,15% pro Jahr vergleichsweise bescheiden ausfallen. Dies hängt einerseits damit zusammen, dass bestimmte Effekte (z.B. steigende Handelsbilanzüberschüsse nach der Ostöffnung) bereits eingetreten sind und andererseits an der relativen Bedeutung der beiden Blöcke füreinander: Die Beitrittsländer bzw. Kandidatenländer sind für die EU ökonomisch zu „unbedeutend“, als dass Handel und Faktormobilität globale Größen wie Preise (etwa das Zinsniveau) und Menge (z.B. die Beschäftigung) beeinflussen könnten. Diese Aussage gilt für das Aggregat, nicht jedoch für einzelne Bereiche: Die Wohlstandsgewinne werden sich ungleich auf einzelne Sektoren, Regionen und Personen mit unterschiedlichen Qualifikationen und unterschiedlichem Mobilitätsverhalten auswirken. Generell gewinnen jene Sektoren, Regionen und Personen, die sich komplementär zu den zusätzlichen Wettbewerbsimpulsen verhalten. Besonders betroffen vom zusätzlichen Handel und von der erhöhten Mobilität von Arbeit und Kapital werden, nicht verwunderlich, die Grenzregionen sein.
Wird die Migration isoliert betrachtet, dann weist die Mehrzahl der Untersuchungen darauf hin, dass: (1) das Wachstum tendenziell erhöht wird; (2) die Produktivität zurückgeht; und (3) Gesamtbeschäftigung und Arbeitslosigkeit steigen. Am Arbeitsmarkt wird die Wachstumsbeschleunigung mittel- und langfristig zu positiven Wirkungen auf Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Lohnwachstum führen. Negative Effekte, die vor allem in der Übergangs- und Anpassungsphase auftreten werden, sind hingegen zu erwarten: von den wettbewerbsinduzierten Produktivitätszuwächsen (durch neue Anbieter, zusätzliche Importe etc.); vom Zustrom an neuen Arbeitskräften (gilt v.a. für Niedrigeinkommens-BezieherInnen); vom Abstrom an Investitionen in die MOEL (Stichwort: Standortverlagerungen). Da eine Vielzahl von Wirkungen zu berücksichtigen ist, fallen die Ergebnisse der einzelnen wissenschaftlichen Studien im Detail nicht immer einheitlich aus, ja sie widersprechen sich nicht selten.
ANHANG (Detailanalyse)
Allgemeine Wirkungen von Integrationsvorgängen
Wird den ökonomischen Auswirkungen der EU-Osterweiterung auf den Arbeitsmarkt nachgegangen, so stellt sich zunächst die allgemeinere Frage nach den generellen Wirkungen von Integrationsvorgängen auf die Wohlfahrt der beteiligten Volkswirtschaften (vgl. etwa die Erfahrungen mit den GATT-Runden, der EFTA- und EG-Integration, der NAFTA, dem Mercosur etc.). Die wirtschaftliche Entwicklung seit den 50er Jahren bestätigt im Wesentlichen die Vorhersagen der herkömmlichen Theorien, wonach die ökonomische Integration langfristig die Entwicklung des Wachstums, der Produktivität und der Reallöhne positiv beeinflusst, weil die beteiligten Länder über die Arbeitsteilung Spezialisierungs- und Größenvorteile (economies of scale) lukrieren können, weil Transaktionskosten eingespart und Vorleistungen billiger bezogen werden können und weil die Marktintegration den Wettbewerb fördert und damit die Monopolrenten reduziert und die Preisentwicklung dämpft.
In den Übergangsphasen solcher Liberalisierungs- und Integrationsschübe kann es jedoch zu schmerzhaften Anpassungs- und Umstrukturierungsvorgängen kommen. Der verstärkte Konkurrenzdruck erzwingt Rationalisierungen, die sich zumeist in (kurzfristigen) Arbeitsplatzverlusten niederschlagen. Am Arbeitsmarkt zeigt sich dabei immer wieder ein Wirkungsmuster, das wohl am besten mit „Dualisierung“ beschrieben werden kann: In Bezug auf die Einkommenssituation, die Beschäftigungschancen und das Arbeitsplatzrisiko zählen qualifizierte/mobile ArbeitnehmerInnen zu den Gewinnern der Integration, unqualifizierte/immobile hingegen zu den Verlierern. D.h., wenn auch die Netto-Effekte der Integration in der Regel positiv sind, so kann ihre Verteilung auf unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, Wirtschaftssektoren und Regionen doch sehr ungleich ausfallen[1].
Allgemeine Auswirkungen der Osterweiterung auf Österreich
Breuss (2001) geht in einer rezenten Untersuchung den Auswirkungen der Erweiterung auf die gegenwärtigen Mitgliedstaaten der EU und auf die MOEL10 im Zeitraum 2001-2010 (Beitrittsannahme: 2005/2007) im Einzelnen nach. Er berücksichtigt Handelseffekte (Wegfall der restlichen Zölle und Handelskosten), Binnenmarkteffekte (Effizienzsteigerung, mehr Preiswettbewerb), Faktorwanderung (Direktinvestitionen von West nach Ost, Arbeitsmigration von Ost nach West) und budgetäre Kosten der Erweiterung bzw. Transfers in die MOEL und kommt zu folgenden Ergebnissen:
- Win-Win Situation: Global gesehen führt die Osterweiterung für die gegenwärtigen EU-Mitgliedstaaten ebenso wie für die Beitrittswerberländer zu Wohlfahrtsgewinnen, d.h. (technisch ausgedrückt) BIP-Steigerungen gegenüber einem Basisszenario. Diese Gewinne sind für die MOEL etwa 10 mal so hoch (kumuliert zwischen 3-8% BIP-Zuwachs im Zeitraum 2005-2010) wie für die EU-MS (im Durchschnitt ½% kumuliertes zusätzliches Wachstum)[2]. Länder wie Spanien, Portugal, Dänemark und Schweden werden sogar leicht verlieren[3].
- Österreich gehörte schon bisher (Stichwort: Handelsbilanzüberschüsse in den 90er Jahren) zu den großen Gewinnern der Ostöffnung und wird dies auch nach vollzogenem Beitritt der MOEL bleiben: Das BIP wird im Zeitraum 2005-2010 kumuliert etwa um 0,75% steigen, was einem jährlichen Wachstumsimpuls von etwa 0,15% im angegebenen Zeitraum entspricht. Aufgrund des höheren Wettbewerbsdruckes (Binnenmarkteffekte) werden die Preise leicht sinken (etwa um 1%), die Produktivität verbessert sich insgesamt, ebenso wie die Leistungsbilanz, das reale verfügbare Einkommen und der Staatshaushalt (über die höheren Steuereinnahmen). Die positiven Wachstumseffekte resultieren v.a. aus den Binnenmarktwirkungen (etwa 0,6%), den Handelseffekten (ca. 0,2%) und der Migration d.h. Zuwanderung (0,15%), der Abstrom von Investitionen in die MOEL über FDI bremst hingegen das österreichische Wachstum (um etwa 0,2%). Weil ein Großteil der Effekte bereits in der Vergangenheit eingetreten ist, sind die Wirkungen insgesamt nicht sehr groß, aber immerhin zumeist positiv.
Andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Pollan et. al. (1996) beispielsweise gehen bei einer Osterweiterung um die MOEL10 von einem zusätzlichen Wachstum im Jahre 2008 von 1,7% aus. Keuschnigg/Kohler (1999) veranschlagen den Wohlfahrtsgewinn der ersten Beitrittsrunde von MOEL5 mit ½% BIP-Wachstum, jenen der zweiten Runde setzen sie gar mit +/-0% an.
Daraus folgt, dass die geringfügig positiven Auswirkungen der Osterweiterung auf das Wachstum in Österreich, global gesprochen, zur Verbesserung der Arbeitsmarktsituation beitragen.
Wirkungen der Osterweiterung auf den österreichischen Arbeitsmarkt im Einzelnen
Wie bereits erwähnt, verbessert die Osterweiterung über die positiven Wachstumseffekte die Arbeitsmarktlage in Österreich. Werden die Wirkungen separat betrachtet, so zeigt sich, dass die anstehende Erweiterungsrunde über mehrere Kanäle auf den österreichischen Arbeitsmarkt Einfluss nimmt: Handelbilanzüberschüsse schaffen, vor allem im exportorientierten Sektor, netto zusätzliche Arbeitsplätze in Österreich. Der erhöhte Wettbewerb dämpft die Inflation und erhöht damit die Realeinkommen. Er steigert allerdings auch die Produktivität, was kurzfristig zu Jobverlusten führt, längerfristig aber über die Verbesserung der Wettbewerbsposition die Beschäftigungschancen wiederum erhöht. Die Zuwanderung erhöht generell das Wachstum, verschlechtert allerdings die Arbeitsmarktlage von gering qualifizierten und „weniger mobilen“ Arbeitskräften; deren Arbeitsplatzrisiko erhöht sich, ihre Lohnzuwächse bleiben hinter den besser Qualifizierten zurück. Direktinvestitionen österreichischer Unternehmen in den MOEL können ebenfalls, unter bestimmten Bedingungen, zu Jobverlusten in Österreich führen. Das durch die Osterweiterung in den MOEL induzierte zusätzliche Wachstum führt wiederum zu einer erhöhten Importnachfrage (die gegenwärtig zu einem großen Teil aus dem EU-Raum befriedigt wird), ein Effekt, der wachstumsstimulierend in den EU-MS wirkt (dieser Effekt hält an, bis Leistungsbilanzbeschränkungen wirksam werden). Da die beschriebenen Effekte zum Teil in entgegengesetzte Richtungen weisen, ist folgende generelle Schlussfolgerung nicht verwunderlich: Die Gesamtwirkungen, die von der Osterweiterung auf die Aggregate Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Lohnniveau bzw. Lohnwachstum, ausgehen, sind nicht besonders groß, aber in der Regel positiv. Diese Gesamteffekte sind jedoch zumeist mit erheblichen Verteilungswirkungen in Bezug auf Hoch- und Niedrigqualifizierte, Männer und Frauen, Arbeiter und Angestellte etc. verbunden[4].
Wird der Blick v.a. auf den erhöhten Druck zum Strukturwandel in der Übergangsphase gelegt, dann treten vorübergehend negative Entwicklungen am Arbeitsmarkt besonders hervor. Lt. Breuss (2001) führen die durch die Osterweiterung induzierten Produktivitätseffekte vorübergehend zu einer leichten Erhöhung der Arbeitslosigkeit (0,6%Punkte im Zeitraum 2005-2006 und 0,2%Punkte zwischen 2008-2010) und zu einem vorübergehenden Sinken der Beschäftigung (von 2005-2006 um 0,37% und zwischen 2008-2010 um 0,04%). Wie oben bereits erwähnt, hat die Zuwanderung isoliert betrachtet allerdings einen leicht positiven Effekt auf das Wachstum von etwa 0,15 % (die gegenteilige Wirkung allerdings in den Senderländern, Stichwort: Brain Drain). In einer früheren Arbeit des WIFO (siehe Pollan 1996, S.16) werden für den Arbeitsmarkt auch kurz- und mittelfristig noch positive Auswirkungen der Osterweiterung (kumulierte Ergebnisse von 2000-2008) ausgewiesen: Ein Beitritt der MOEL10 steigert nach dieser Untersuchung die Beschäftigung um 1,1%, die Arbeitslosigkeit würde um 0,4% sinken.
In einer groß angelegten (und von der EU-KOM finanzierten) Studie gehen Boeri/Brücker et. al. (2000) den vergangenen und zukünftigen Wirkungen der drei zentralen Dimensionen ökonomischer Integration, nämlich von Handel, Kapital- und Arbeitskräftemobilität zwischen den MOEL10 und der EU, auf Beschäftigung und Löhne nach. Ihre Hauptergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Die Beseitigung der letzten Barrieren für Handel und Faktormobilität wird Effekte auslösen, die zu klein sein werden, um auf aggregiertem Niveau in der EU Güter- und Faktorpreise (z.B. Löhne) und damit auch Beschäftigung und Einkommensverteilung in der Gemeinschaft beeinflussen zu können[5]. Gerade in den Gebieten nahe der MOEL-Grenzen können jedoch in einzelnen Regionen und Sektoren Störungen auftreten.
- Aufgrund von Unterschieden in den Faktorausstattungen und –produktivitäten bestehen große Gefälle zwischen der EU und den MOEL: Zu Wechselkursen beträgt das Pro-Kopf-Einkommen in den MOEL zwischen 5%-40% des EU-Durchschnittes, zu Kaufkraftparitäten zwischen 20%-60%, die Einkommensunterschiede sind also größer als in vorangegangenen Erweiterungsrunden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Aufholprozess der MOE-Länder[6] jahrzehntelang dauern wird: die Halbwertszeit des ursprünglichen Einkommensgefälles wird voraussichtlich etwa 35 Jahre betragen, d.h. anders ausgedrückt, in etwa 30 Jahren werden die MOEL von einem Einkommensniveau von etwa 30% nach PPP auf etwa 55% gekommen sein.
- Die Handelsströme sind gegenwärtig zu gering - und werden dies auch bleiben, wenn die gegenwärtig noch nicht genützten Potenziale einer Verdoppelung, die „normalen“ Handelsbeziehungen entsprechen würde, erreicht sein werden - um Effekte auf der Makroebene auszulösen. Da allerdings etwa ¾ des bilateralen Handels der MOEL mit den Grenzländern Deutschland, Österreich, Griechenland, Italien und Finnland abgewickelt wird, können einzelne, besonders betroffene Sektoren wie Bekleidung und Schuhe oder auch der Baubereich in Schwierigkeit geraten.
- Für die Kapitalflüsse gelten ähnliche Schlüsse: Das Ausmaß an ausländischen Direktinvestitionen ist zu gering, um in der EU Aggregate, wie beispielsweise die Zinssätze, zu beeinflussen. Dieser Schluss gilt jedoch nicht für die Empfängerländer, wo die FDI ca. 20% der gesamten Bruttoanlageinvestitionen ausmachen.
- „Die Freizügigkeit der Personen und Arbeitskräfte ist deshalb diejenige Dimension der ökonomischen Integration, die sich am stärksten im Zuge eines Beitritts der MOEL verändern wird“ (Boeri/Brücker et. al. 2000, Zusammenfassung, S. I). Dennoch werden die Größenordnungen „im Rahmen“ bleiben: Es wird in der Untersuchung angenommen, dass im ersten Jahr des Beitrittes etwa 335.000 Personen in die EU immigrieren werden, eine Zahl, die in einem Jahrzehnt auf unter 150.000 abnehmen wird. Die jährliche Zuwanderung in Österreich wird sich von 40.000 (2002) auf etwa 20.000 (2010) halbieren. Faktoren, die komplementär zu diesem Neuangebot von MigrantInnen sind, werden gewinnen, jene die sich substitutiv dazu verhalten, wie etwa Industriearbeiter oder ungelernte Arbeitskräfte im Dienstleistungssektor, werden verlieren. Erhöht sich der Ausländeranteil in einer österreichischen Branche um einen Prozentpunkt, dann werden die Löhne in dieser Branche um 0,26% zurückgehen, ein Effekt, der vor allem bei Arbeitern auftritt, nicht jedoch bei Angestellten. Gleichzeitig steigt das individuelle Entlassungsrisiko um 0,8 Prozentpunkte. Die Reaktionen auf das Mobilitätsverhalten – gemeint ist v.a. die Abwanderung aus dem Sektor - sind nicht eindeutig. Klar hingegen zeigt sich ein „displacement effect“: eine Erhöhung des Ausländeranteiles in einer Branche um 1%Punkt erhöht die individuelle Wahrscheinlichkeit, in den Status der Nicht-Erwerbstätigkeit überzugehen um 0,8%Punkte. Insgesamt bedeutet das aber nichts anderes, als dass selbst große Mengenveränderungen (zusätzliche Arbeitskräfte) nur geringe Preisreaktionen (d.h. Lohnveränderungen) nach sich ziehen (siehe dazu Boeri/Brücker et.al. 2000, Kap. 6.2.)[7]. Diese Schlussfolgerung trifft, nebenbei bemerkt, auch für die Bereiche Handel und FDI zu.
Aus der Untersuchung Huber/Hofer (2001, Kap.1) können folgende ergänzende Resultate zu diesem Thema angeführt werden: Männer im oberen Einkommensquartil profitieren von einer Erhöhung der Exporte. Männer im unteren Quartil müssen durch Importsteigerungen ein langsameres Lohnwachstum hinnehmen (bei Frauen gehen die Wirkungen in dieselbe Richtung, sind aber weniger ausgeprägt). Keinen deutlichen Zusammenhang finden die Autoren hinsichtlich der Wirkungen der Zuwanderung auf die Einkommensverteilung.
Migrationseffekte isoliert betrachtet
Fokussiert man die Betrachtung auf die Migration, so zeigen sich folgende Wirkungen: Lt. Walterskirchen/Dietz (1997, S. 7, 77) wird eine zukünftige Zuwanderung ähnliche Auswirkungen auf den österreichischen Arbeitsmarkt haben wie der Angebotsschock von 1989-1992[8]: (1) Das zusätzliche Arbeitsangebot erhöht das Wachstum tendenziell, weil in allen Branchen, Regionen und Qualifikationen genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Das reale BIP steigt um 0,2% gegenüber der Basislösung. (2) Die Produktivität je Beschäftigten wird gedrückt (um 0,4%), weil das zusätzliche Arbeitsangebot überwiegend in Bereichen mit niedriger Produktivität beschäftigt wird. Daher sinkt auch die Lohnquote tendenziell (um 0,6%). (3) Die Gesamtbeschäftigung steigt (um 0,6%), obwohl die Inländerbeschäftigung gedrückt wird. (4) Die Arbeitslosigkeit wird deutlich steigen, v.a. für ältere und ausländische Arbeitskräfte. Huber/Hofer (2001, Kapitel 4) simulieren eine Zuwanderung von 20.000 Personen und kommen dabei zu folgenden Hauptergebnissen. Der primäre Anpassungsmechanismus läuft über eine Ausweitung der Beschäftigung, an zweiter Stelle steht die Verringerung der Erwerbsquote und erst an letzter Stelle steht die Erhöhung der gemessenen Arbeitslosigkeit.
[1] Siehe dazu beispielsweise die Darstellung der Integrationswirkungen im Überblick bei Krugman (1987) oder Breuss (1996).
[2] Die Gründe für diese unterschiedlichen Wirkungen hängen mit der relativen Größe der Wirtschaftsräume (in Bezug auf das BIP besitzt die gegenwärtige EU, je nach verwendeter Umrechnungsform, etwa die 10-15fache Wirtschaftsleistung) und dem relativen Anteil am Außenhandel (der Außenhandel mit der EU ist für die MOEL etwa 20 mal so wichtig als umgekehrt) zusammen.
[3] Siehe die Zahlen im einzelnen in Abbildung 1 und Tabelle 1 am Ende des Textes.
[4] Diese Schlussfolgerungen finden sich beispielsweise bei Huber/Hofer (2001), S. 28, zu den Wirkungen des Außenhandels und der Migration.
[5] Beispielsweise beträgt der Anteil an MOEL-Importen in die EU 1998 nur 0,9% des EU-BIP (AUT: 3%); oder der prognostizierte Zuwachs an MOEL-Bevölkerung in der EU wird diese bis 2030 nur auf ein Niveau von 1,1% der Gesamtbevölkerung anheben.
[6] Dieser wird alles andere als selbstverständlich vonstatten gehen. Weder die Theorie noch die Empirie sind eindeutig in der Frage des catching up von Ländern mit niedrigeren Einkommensniveaus.
[7] Wenn etwa in Österreich der Anteil an MOEL-AusländerInnen von gegenwärtig ca. 40.000 (das entspricht etwas über 1% des Arbeitskräfteangebotes) um 1%Punkt erhöht wird, dann entspricht dies beinahe einer Verdoppelung in absoluten Zahlen.
[8] Die nachfolgend angegebenen Zahlen in Klammern gehen von der Annahme einer nachfrageinduzierten Immigration von 100.000 Personen aus. Die angegebenen Wirkungen treten nach 5 Jahren ein.
Daten-Anhang
Abbildung 1: BIP- Effekte der EU-Erweiterung in der EU und in den MOEL
Reales BIP, kumulierte Abweichungen von der Basislösung in %

Quelle: .PREPARITY; Teilprojekt 12: Makroökonomische Auswirkungen der EU-Erweiterung auf alte und neue Mitglieder, Abb. 8a und 8b
Tabelle 1: Integrationseffekte der EU-Erweiterung: Reales BIP

Quelle: WIFO-Simulationen mit dem OEF Global Model. 1) Bulgarien, Tschechien, Ungarn, Kasachstan, Polen, Rumänien, Russland, Slowenien, Ukraine.
Kommentiertes Literaturverzeichnis
Boeri,T.,Brücker,H.et.al. (2000), The Impact of Eastern Enlargement on Employment and Labour Markets in the EU Member States, Final Report, EU-Commission, Berlin/Milano 2000. [Zentrale Studie für die EU; beschrieben werden die Wirkungen von Handel, Arbeitskräfte- und Kapitalmobilität auf Löhne und Beschäftigung; Kap.3 beschreibt die Ausgangsbedingungen, Kap.4 die erwarteten Effekte einer Beseitigung aller noch bestehenden Hemmnisse, Kap.5 die betroffenen Sektoren, Regionen und Personen, Kap.6 quantitative Ergebnisse für Sektoren in Österreich, Deutschland und Schweden, Kap. 7.3. gibt Zahlen zum wahrscheinlichen Migrationspotenzial an; Fig.3.1. und Tab.3.1. Einkommensdifferenziale nach Wechselkursen und PPP; Tab.3.2. Arbeitsmarktindikatoren im Vergleich; Tab.3.3. Humankapitalindikatoren; Tab.5.2. MOEL-Personen und Arbeitskräfte in der EU; Tab.7.10. und 7.11. Entwicklung der MOEL-Zuwanderung in die EU bis 2030]
Breuss,F.(1996), Der aktuelle Stand der integrationstheoretischen Diskussion, in: Wifo-Monatsberichte 8/1996. [Guter, kurzer Überblick über Integrationsformen und –theorien dazu; Zollunion, Freihandelszone, Binnenmarkt, WWU, Multispeed Europe, Globalisierung]
Breuss,F.(2001), Makroökonomische Auswirkungen der EU-Erweiterung auf alte und neue Mitglieder, Teilprojekt 12 – PREPARITY, Wien, April 2001 [Es wird im Rahmen eines großen „World Macroeconomic Model“ folgenden Integrationseffekten nachgegangen: Handel, Binnenmarkt, Faktorwanderungen, Kosten der Erweiterung und eine Gesamtbewertung vorgenommen; Übersicht 1: Größenverhältnisse EU-MOEL; Übersicht 2-7: Bilaterale Handelsverflechtungen; Übersicht 8-13: FDI; ]
DG ECFIN (2001), The Economic Impact of Enlargement, Enlargement Papers No 4, Juni 2001. [Bietet einen allgemeinen Überblick über: Kap.2. Past developments, Kap.3. Possible Macro Effects 2000-2009; Kap.4. Impact of Migration; Graph 10. Annual Flows of Net Migration from MOEL8 to EU15, 2005-2009; ]
Huber,P.,Hofer,H.(2001), Auswirkungen der EU-Erweiterung auf den österreichischen Arbeitsmarkt, Teilprojekt 9 – PREPARITY, Wien, April 2001. [Kap.1. Außenhandel, Migration und ihre Auswirkungen auf Löhne und Mobilität; Kap.2. Arbeitsmarktkonkurrenz zwischen österr. und ausländ. Arbeitnehmern; Kap.3. Mobilität heimischer Arbeitnehmer und Zuwanderung; Kap.4.Erwerbsbeteiligung, Arbeitslosigkeit, Beschäftigung und Zuwanderung; Kap.5. Wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen; Übersicht 4.3. Verteilung von simulierten 20.000 Zuwanderern (Pendler und Migranten) auf einzelne Bundesländer]
Keuschnigg,Ch.,Kohler,W.(1999), Eastern Enlargement to the EU: Economic Costs and Benefits for the Present Member States: The Case of Austria, revised version, September 15, 1999. [Eine Simulation der Osterweiterungswirkungen im Rahmen eines Allgemeinen Gleichgewichtsmodelles]
Krugman,P.R.(1987), Konzepte der wirtschaftlichen Integration in Europa, in: Padoa-Schioppa, T., Effizienz, Stabilität und Verteilungsgerechtigkeit, 1987. [Eine klassische Erörterung von komparativen Vorteilen, Skalenerträgen, unvollkommenem Wettbewerb im Zusammenhang mit der Integration von Warenhandel, Kapital- und Arbeitsmärkten]
Pollan et. al. (1996), Beschäftigungschancen und Integration, Studie im Auftrag des BM für Arbeit und Soziales, Wien 1996. [Ältere Studie zu verschiedenen Fragen der West- und Ostintegration wie Kap.3. Standortentscheidung, Sozialdumping und internationaler Wettbewerb, Kap.5. Verarbeitungsmechanismen von Reallokationsschocks]
Walterskirchen, E., Dietz, R. (1998), Auswirkungen der EU-Osterweiterung auf den österreichischen Arbeitsmarkt. Studie im Auftrag der Bundesarbeitskammer, Wien 1998. [Zentrale Studie für Österreich, Kap.2 Wirtschaftliche Auswirkungen der EU-Osterweiterung; Kap 3 Entwicklung der Kaufkraft in Mittel- und Osteuropa; Kap 4., 5. u.6. Schätzung des gesamten Migrations- und Pendlerpotenzials; Kap.7 Aufnahmekapazität des österreichischen Arbeitsmarktes; Kap.8 Auswirkungen der EU-Osterweiterung auf den österreichischen Arbeitsmarkt]
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