EU-Erweiterungen und Arbeitsmarkt - Informations- und Datenbank
Am 1. Mai 2004 sind zehn weitere Länder der Europäischen Union beigetreten. Mit diesem Beitritt konnte nicht nur die Trennung zwischen Ost und West überwunden werden, sondern es konnte auch ein politisches, wirtschaftliches und soziokulturelles Miteinander eines großen Teils Europas erreicht werden. Der Erweiterungsprozess ist auch mit dem zukünftigen Beitritt von Rumänien und Bulgarien nicht abgeschlossen. Mit Kroatien und der Türkei werden Verhandlungen geführt. Die Balkanstaaten Mazedonien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro und Albanien streben ebenfalls eine Annäherung an die EU an. Die Erweiterung der Europäischen Union ist und bleibt daher eine der größten Herausforderungen für Wirtschaft und Arbeitsmarkt in der Geschichte der Gemeinschaft. Diese Website soll eine Basisinformation zu den Erweiterungsrunden und deren Wirkungen, vor allem auf den österreichischen Arbeitsmarkt und die österreichischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bieten.
Wie andere Integrationsvorgänge führt die Erweiterung in den alten und neuen Mitgliedsstaaten zu Wohlstandsgewinnen (d.h. Steigerung des Brutto-Inlands-Produkts). Österreich profitiert davon besonders, wobei sich die Wohlstandsgewinne auf einzelne Wirtschaftssektoren, Regionen und Personen unterschiedlich aufteilen. Im Allgemeinen gewinnen jene Sektoren, Regionen und Personen, die sich entsprechend der zusätzlichen Nachfrageimpulse verhalten. Besonders die Grenzregionen werden vom zusätzlichen Handel und von der erhöhten Mobilität von Arbeit und Kapital betroffen sein.
In den Übergangsphasen kommt es bei Liberalisierungs- und Integrationsschüben zu notwendigen und spürbaren Anpassungs- und Umstrukturierungsvorgängen. Der verstärkte Konkurrenzdruck erzwingt oft Rationalisierungen, die sich zumeist in (kurzfristigen) Arbeitsplatzverlusten niederschlagen. Am Arbeitsmarkt zeigt sich dabei ein Muster, das mit "Dualisierung" beschrieben werden kann: In Bezug auf das Einkommen und die Beschäftigungschancen zählen qualifizierte/mobile Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu den Gewinnern der Integration, unqualifizierte/immobile hingegen zu den Verlierern. Obwohl also insgesamt die Netto-Effekte der Integration in der Regel positiv sind, kann ihre Verteilung auf unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, Wirtschaftssektoren und Regionen doch sehr ungleich gewichtet sein:
- Handelsbilanzüberschüsse schaffen vor allem im Export orientierten Sektor netto zusätzliche Arbeitsplätze in Österreich;
- erhöhter Wettbewerb dämpft die Inflation und erhöht damit die Realeinkommen;
- die Steigerung der Produktivität führt kurzfristig zu Jobverlusten, erhöht aber längerfristig über die Verbesserung der Wettbewerbsposition die Beschäftigungschancen wiederum;
- Zuwanderung erhöht generell das Wachstum, verschlechtert allerdings zumeist die Arbeitsmarktlage von gering qualifizierten und weniger mobilen Arbeitskräften;
- Direktinvestitionen österreichischer Unternehmer in den MOEL können ebenfalls zu Jobverlusten in Österreich führen;
- das zusätzliche Wachstum führt zu einer erhöhten Importnachfrage, was wachstumsstimulierend in den EU-Mitgliedsstaaten wirkt.
Der Dienstleistungsbereich ist von der EU-Erweiterung wesentlich stärker betroffen als die Sachgüterproduktion. Hier dominieren zwar ebenfalls positive Entwicklungserwartungen, doch sind in Teilbereichen auch Gefährdungspotenziale zu erkennen. Um die Nachteile auf dem österreichischen Arbeitsmarkt nach dem Beitritt der Kandidatenländer abzufedern, wird das in den Beitrittsverhandlungen vereinbarte Übergangsarrangement angewandt.
Diese Website gliedert sich in drei Teile:
- Unter "FAQs" finden Sie häufig gestellte Fragen zur Ost- und zur Südosterweiterung und die entsprechenden Antworten, jeweils mit einer knappen "Zusammenfassung", einer umfassenden "Detailanalyse", und meist auch einer "Literaturliste" zum Thema.
- Unter "Daten/Tabellen" finden Sie Tabellen und Graphiken zu Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Regionalpolitik.
- Unter "Daten/Datenbank" können Sie alle Informationen nach unterschiedlichen Ordnungsbegriffen (Themen, Länder) selbst abrufen.
- Unter "Länderinformationen" finden Sie u. a. ausführliche Informationen über die wirtschaftliche Entwicklung, den Arbeitsmarkt und die regionale Entwicklung in Österreich und in den 2004 bzw. 2007 beigetretenen EU-Mitgliedstaaten (außer Malta u. Zypern). Diese Informationen sind auch über die Beitrittskandidatenländer und die potenziellen Bewerberländer sowie über die vier österreichischen Grenzregionen AT-CZ, AT-HU, AT-SK und AT-SI abrufbar.
Die Website zur EU-Ost- und Südosterweiterung wurde von der Sektion VI, Arbeitsmarkt, des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz zusammengestellt. Diese Sektion ist innerhalb des Bundesministeriums u. a. für Arbeitslosenversicherung, Ausländerbeschäftigung und generell für das Arbeitsmarktservice zuständig. Auf EU-Ebene werden von der Sektion VI Agenden der Europäischen Beschäftigungsstrategie und des Europäischen Sozialfonds in Österreich wahrgenommen.
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