Visualisierung

Textanalyse

Visualisierungsmöglichkeiten in der sozialwissenschaftlichen Textanalyse

Visuelle Textanalyse soll als Ergänzung bzw. Bereicherung zu bereits bestehenden Methoden der qualitativen und quantitativen Analyse von Texten verstanden werden. Es handelt sich dabei in methodologischer Hinsicht also nicht um eine neue Analysemethode, sondern um eine neue Möglichkeit innerhalb bereits bestehender Traditionen der sozialwissenschaftlichen Textanalyse. Indem Visualisierungen als Möglichkeit der Mustererkennung bzw. zur Darstellung von Zusammenhängen eingesetzt werden, ändert sich zwar nicht die Forschungsmethode, jedoch der Forschungsprozess; und zwar insofern, als Visualisierungen nun nicht mehr am Ende des Forschungsprozesses als Möglichkeit zur Darstellung von Ergebnissen stehen, sondern als Erkenntnisinstrument selbst dienen. Im konkreten Kontext der visuellen Textanalyse gibt es nun verschiedene Möglichkeiten um Visualisierungen in einer sinnvollen Kombination mit gängigen Methoden zur Anwendung zu bringen.

Beispiele:
  • Visualisierung von Einzeltexten (Fallanalyse)
  • Visualisierung als Möglichkeit zur Erkennung von Strukturen/Mustern

Codierung als Voraussetzung für die weitere Analyse

Der Codiervorgang, der in der Inhaltsanalyse auch oft als das Bilden von Kategorien beschrieben wird, bildet den Ausgangspunkt für jede weitere Analyse. Codierungen können sich, je nach Methode, auf unterschiedliche inhaltliche oder formale Aspekte eines Textes beziehen. Ein Code (Kategorie) ist ein Hilfsmittel um Textabschnitte oder einzelne Wörter für die weitere Analyse zu klassifizieren. Je nachdem, innerhalb welcher methodischen Zugangsweise man einen Text betrachtet, kann ein Codesystem sehr genau definiert werden (wie etwa in der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring) oder, wenn das Ziel der Forschung die Generierung von neuen Codes ist, erst im Laufe der Forschung entstehen (wie zum Beispiel in der Grounded Theory.)

Beispielgrafik Zeitdistanzen

Visualisierung von Einzeltexten (Fallanalyse)

In nachfolgender Tabelle bilden die Spalten die Zeilennummern im Text und die Zeilen die Codierungen bzw. die grün markierten Felder das Auftreten einer Codierung im Text. Es sind nun anhand dieser Tabelle sowohl inhaltliche als auch strukturelle Merkmale des Texts ablesbar.

Die Horizontale gibt Auskunft über Länge (Anzahl der Zeilen in einem zuvor festgelegten Format, welches für alle Texte beizubehalten ist), Gliederung (die dicken vertikalen Linien markieren die Absätze im Text) bzw. die Lage der Codierungen im Textverlauf.

Die Vertikale bildet die Codierungen in ihrer Parallelität ab. Es wird erkenntlich, welche Codierungen gleichzeitig auftreten (i.e. assoziiert sind mit anderen Codierungen) und welche alleine auftreten (nicht assoziiert sind mit anderen Codierungen).

Die folgenden Beispiele beziehen sich auf 20 Stellenanzeigen – zehn aus dem Magazin „Der Trend“ aus den Jahren 1971 bzw. 1975 und zehn aus dem Jahr 2008 von der Homepage "www.karriere.at". Die Inserate, die aus wirtschaftlichen Berufen bestehen, wurden hauptsächlich hinsichtlich der beruflichen Anforderungen thematisch codiert.


Beispiel 1: Einkaufsleiter (karriere.at), Stellenanzeige aus 2008

Beispielgrafik1 Textanalyse


Beispiel 2: EDV-Assistent (trend), Stellenanzeige 1971/75

Beispielgrafik2 Textanalyse

Visualisierung als Möglichkeit der Erkennung von Strukturen/Mustern

In Beispiel 3 werden 10 Stellenanzeigen aus dem Jahr 1971, bzw. 1975 10 weitere Stellenanzeigen aus dem Jahr 2008 hinsichtlich der vorgenommen Codierungen gegenübergestellt.

In der Horizontale sind rechts bzw. links von der Codebezeichnung die vorhandenen Codierungen in den Texten visualisiert, wobei einem Text (pro Textgruppe) jeweils eine Farbe zugewiesen wurde. Es sind somit sowohl die Anzahl der Codierungen pro Textgruppe sowie die spezifischen Texte in denen die Codierung auftaucht erkenntlich. Die Höhe der Balken repräsentiert die Länge des Codes im Text.

In der Vertikale sind die Codierungen der einzelnen Texte abgebildet. Gleiche Muster innerhalb eines Textes verweisen auf ein Assoziationsverhältnis zwischen den Codierungen (i.e. sie überschneiden sich). Weist die Oberfläche des Balkens kein Muster auf, d.h. es ist vollfarbig, dann liegt keine Assoziation vor. Mehrere Codierungen innerhalb eines Textes sind durch übereinanderliegende Balken dargestellt.


Beispiel 3: Textgruppenvergleich (Ausschnitt)

Beispielgrafik3 Textanalyse