Fragebögen
Überblick
Die Befragung ist vermutlich die am häufigsten angewandte sozialwissenschaftliche Forschungsmethode; durch Befragung lassen sich sowohl subjektive wie objektive Tatbestände ermitteln. Ziel eines nachfolgenden Auswertungsverfahrens ist - neben einer reinen Deskription sozialer Phänomene – vor allem die Entdeckung und Prüfung von Zusammenhängen.
Je nach Befragungssituation unterscheidet man zwischen mündlicher und schriftlicher Befragung: bei der mündlichen Befragung stellt ein Interviewer die Fragen und notiert die Antworten, bei der schriftlichen Befragung füllt der Befragte den Fragebogen selber (alleine) aus. Eine Sonderform der schriftlichen Befragung ist die Onlinebefragung, bei der der Befragte den Fragebogen über eine Internetverbindung direkt auf seinem PC ausfüllen kann.
Von besonderer Bedeutung bei der Erstellung von Fragebögen ist die Fragenformulierung. Das Hauptproblem besteht darin, die theoretisch formulierte Forschungsfrage in die auf einen bestimmten Befragtenkreis zugeschnittene Sprache des Fragebogens zu übersetzen. Allerdings stellt sich hier sehr oft das Problem der Bedeutungsäquivalenz: bei den meisten Befragungen hat man es mit verschiedenen "Sprachtypen" von Befragten zu tun, das heißt sie unterscheiden sich nach Sprachvermögen, Bildungsgrad etc. was dazu führen kann, dass ein und dasselbe Wort für zwei Befragte völlig unterschiedliche Bedeutungsinhalte haben kann, bzw. im umgekehrten Fall, dass zwei verschiedene Worte für sie die gleiche inhaltliche Bedeutung besitzen.
Vor allem bei Befragungen über mehrere Länder hinweg lassen sich – einmal abgesehen von sprachlichen Übersetzungsungenauigkeiten - zu Themen wie etwa Gesundheit, Bildung oder Religion auf internationaler Ebene wegen der institutionellen Vielfalt zwischen Regionen und Kulturen nur sehr schwierig vergleichbare Fragen ausformulieren. Daher beschäftigen wir uns am WISDOM zunehmend mit dem Einsatz von Symbolsprachen, symbolischen Arrangements und Piktogrammen in der Fragebogenkonstruktion. Es geht uns dabei um eine grafische Ersetzung von sprachlichen Fragenkonstrukten um, auf diese Weise inter- und transkulturelle Plattformen für internationale vergleichende Survey-Forschung zu schaffen.
Theorie
Symbolische Formen als Vehikel trans-kultureller Kommunikation. Das Beispiel der internationalen Survey-Forschung
In diesem Artikel soll kurz ein Weg umrissen werden, der einen noch immer viel zu wenig genutzten inter- und trans-kulturell zuhandenen Fundus bemüht, nämlich das spontane Verstehen von symbolischen Mustern. Dieser Fundus, so die Hauptthese des Artikels, könnte und sollte in verschiedensten Arenen der inter-kulturellen Forschung verwendet werden, speziell aber in der international vergleichenden Survey-Forschung. Hierbei vermögen nämlich gelungene Symbolisierungen nicht nur wenige der normalen Probleme und Defizite im Bereich der komparativen Forschung zu umgehen oder zu vermeiden, sondern auch vergleichsweise neue und komplexe Vergleichsmöglichkeiten zu eröffnen.
Karl H. Müller, WISDOM
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