Datenarchiv

Nutzen

Die Vorteile für die Sekundärnutzung von Daten sind in vielen Publikationen und Handbüchern diskutiert worden (bspw. Fienberg, S.E./ Martin, M.E./ Straf, M.E. (HG) (1985): Sharing research data. Washington, DC: National Academy Press).

Dieser Abschnitt thematisiert zuerst allgemeine Vorteile der Datenarchivierung. Da der Erfolg von Archivierungsbemühungen sehr von der Bereitschaft der ForscherInnen Ihre Daten für Andere zur Verfügung zu stellen abhängt, werden danach die praktischen Nutzen für DatengeberInnen dargestellt.

Argumente für die Archivierung und Sekundärnutzung von Daten

  • Weitergabe von Daten verstärkt die Transparenz wissenschaftlicher Untersuchungen und erlaubt effektive Selbstkorrektur von Forschung. Sekundäranalysen können wissenschaftliche Ergebnisse bestätigen, widerlegen oder verfeinern.
  • Hochqualifizierte, anwendungsorientierte Forschung wird unterstützt.
  • Sekundäranalysen regen die Vielfalt von Analysen und Stellungnahmen und die Diversität von Perspektiven an.
  • Sekundärnutzungen begünstigen neue Forschungen und ermöglichen das Testen von neuen und alternativen Methoden.
  • Sekundäranalysen erlauben die Analyse der Daten im Hinblick auf ursprünglich nicht bedachte Kontexte und das Stellen von neuen Fragen an die Daten.
  • Datenerhebungsmethoden können durch die Prüfung Anderer verbessert werden.
  • Die Wiederverwendung empirischer Daten vermindert Kosten, die durch eine wiederholte Neuerhebung entstehen würden. Bestehende Ressourcen können gezielter eingesetzt werden, dadurch dass Daten nicht mehrfach erhoben werden.
  • Die Möglichkeit auf bestehende Daten zuzugreifen ermöglicht die Generierung neuer Datensätze durch die Zusammenführung oder Verknüpfung zweier Datenquellen.
  • Zugriff auf archivierte Datensätze ist eine wichtige Quelle für Methodentraining und die Lehre.
  • Die Archivierung von Daten kann – im Falle kleiner Populationen – befragte Personen entlasten, die ansonsten mehrmals zu denselben Themen befragt würden.
  • Die Archivierung erfüllt die soziale Verpflichtung gegenüber den Befragten ihre Überlieferungen für die Nachwelt zu bewahren.

Nutzen für die DatengeberInnen

  • Bei der Weitergabe von Daten an ein Archiv stellen sich oft vertragliche, rechtliche oder ethische Verpflichtungen gegenüber Fördergebern oder nationalen Institutionen. Durch die Zunahme institutioneller, nationaler und internationaler Datenrichtlinien wird die Weitergabe von Daten an ein Archiv zunehmend gebräuchlich. Dadurch wird die Verpflichtung Forschungsdaten für die wissenschaftliche Gemeinschaft verfügbar zu machen erfüllt.
  • DatengeberInnen erfüllen durch die Abgabe der durch sie generierten Daten an ein Datenarchiv ihre soziale und intellektuelle Verantwortlichkeit für einen sicheren und dauerhaften Bestand der Daten.
  • Abgabe und Weitergabe der Daten für Sekundäranalysen können die hohen Kosten von Datensammlungen rechtfertigen.
  • Die von Datenarchiven akzeptierten Daten garantieren hohe nationale und internationale Standards hinsichtlich Dokumentation und Datenaufbereitung.
  • Datenarchive gewährleisten langfristige Verwahrung von Daten und schützen vor Schnelllebigkeit, Verlust, Zerstörung oder irreversiblen Beschädigungen der Daten.
  • Daten werden von Archiven durch Eintrag in den Archiv- und CESSDA-Onlinekatalog beschrieben und veröffentlicht, wodurch die Entdeckung dieser Datenressourcen ermöglicht wird. Datenkataloge beinhalten eine durchsuchbare Studienbeschreibung und unterstützen bibliographische Zitierung.
  • Archive bieten qualifizierte Unterstützung hinsichtlich dem Umgang mit Daten bei der Sekundärnutzung, dem Rechte-Management (Lizensierungsangelegenheiten), der Abnahme administrativer Belastungen der DatengeberInnen und der Beantwortung von NutzerInnenanfragen. Darüber hinaus gewährleisten Archive die Vertraulichkeit der Daten. Benutzungsvereinbarungen und Zugangskontrollen stellen sicher, dass nur autorisierten und registrierten BenutzerInnen Zugang zu den Daten ermöglicht wird.
  • Die Kosten für die Verwahrung und Weitergabe der Daten werden vom Datenarchiv getragen, was DatengeberInnen zeitlich und finanziell entlastet und anderen ForscherInnen die Sekundäranalyse der Daten erlaubt.
  • Archive stellen DatengeberInnen Informationen über die Sekundärnutzung ihrer Daten zur Verfügung.
  • SekundärnutzerInnen eröffnen neue Ideen und analytische Perspektiven zu Forschungsprojekten.
  • DatengeberInnen können die Wertigkeit ihrer Forschungen durch eine kontinuierliche Sekundärnutzung demonstrieren. Dies kann Fördergeber beeinflussen, neue finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen.
  • Das Arbeitsergebnis (ebenso die Sichtbarkeit) von Forschungsprojekten steigt durch eine frühe Planung der Archivierung erheblich. Verfahren, die im Zuge der Archivierung von Daten benötigt werden, verlangen Management-Standards, die auch während der Primäranalyse von Nutzen sein können.
  • Archive stellen während des gesamten Projektzyklus Informationen zum Datenmanagement zur Verfügung. Da Standards hinsichtlich Datenstruktur und –format, Dokumentation und Metadaten von Beginn der Forschung an berücksichtigt werden müssen, können qualifizierte MitarbeiterInnen der Datenarchive während des kompletten Projektverlaufs Beratung und Auskunft geben: Von der Antragstellung, wenn Informationen hinsichtlich der Datengenerierung benötigt werden, bis zum Abschluss der Forschung, wenn es um die Abgabe der Daten an das Archiv geht.