Qualitative Daten
Qualitative Daten beinhalten oft personenbezogene, sensitive Informationen über ForschungsteilnehmerInnen. Aus diesem Grund sind diese nicht immer damit einverstanden, dass Daten unanonymisiert verwendet und in weiterer Folge archiviert werden. In der Regel wird qualitatives Datenmaterial daher – entweder schon von den PrimärforscherInnen oder später vom Archiv – anonymisiert.
Die Anonymisierung qualitativer Daten kann das Editieren von Daten wie Interviewtranskriptionen, die Verwendung von Pseudonymen, abstrakte Systeme der Kodierung oder das simple Entfernen von Text beinhalten. Wann immer Text überarbeitet wird, sollten sich ForscherInnen bewusst sein, wie das Material dadurch verändert wird. Die Zielsetzung sollte sein, ein vernünftiges Maß an Anonymisierung zu erreichen, das eine Sekundäranalyse nicht unnötig einschränkt. Die Anonymisierung kann mit anderen Restriktionen, wie Zugangsbeschränkungen, kombiniert werden, um die Vertraulichkeit der Daten zu gewährleisten. Eine klare Einverständniserklärung und informierte Einwilligung der Befragten bewahren vor unrealistischen und überzogenen Forderungen nach Anonymisierung.
Am einfachsten gestaltet sich die Anonymisierung, wenn man sie bereits beim Erstellen des Transkripts anfertigt bzw. während des Transkribierens ein Verzeichnis über die zu anonymisierenden Identifikatoren erstellt. Der Grad der Anonymisierung hängt von mehreren Faktoren, wie der Sensibilität der Informationen oder der Möglichkeit, Rückschlüsse auf Personen zu ziehen, etc. ab. Es sollte vorweg abgeklärt werden, in welchem Ausmaß auch subtile, aber deutliche Hinweise auf Personen, Orte oder Institutionen anonymisiert werden. WISDOM empfiehlt die Verwendung von Pseudonymen, wobei darauf zu achten ist, dass der Sinngehalt der Daten nicht verloren geht. Um nicht unbeabsichtigt Änderungen vorzunehmen, sollten Such- und Ersetzungstechniken überlegt angewandt werden und unbearbeitete Versionen bzw. Anonymisierungsprotokolle für die Verwendung im Forschungsteam und für die Aufbewahrung im Archiv erhalten bleiben. Falls die Anonymisierung nach der Transkription durchgeführt wird ist sicherzustellen, dass die benutze Systematik konsequent vom gesamten Forschungsteam angewendet wird und in allen nachfolgenden Publikationen die gleichen Pseudonyme und Bezeichnungen verwendet werden.
WISDOM hat aus der vorhandenen Literatur Richtlinien für die Anonymisierung zusammengestellt, die Sie hier abrufen können.
PrimärforscherInnen können die Sensibilität des Datenmaterials und insbesondere einzelner Interviewpassagen oder Verwendungszusammenhänge weitaus besser einschätzen als SekundärforscherInnen. Daher empfiehlt WISDOM DatengeberInnen außerdem, qualitativen Datensätzen bei der Archivierung zusätzlich zu einer Anonymisierung ein Merkblatt beizufügen, in dem auf heikle Passagen in Interviews oder aus zukünftigen Veröffentlichungen resultierende potentielle Gefahren und/ oder Unannehmlichkeiten für InterviewpartnerInnen hingewiesen wird.
Wenn sichergestellt werden soll, dass ein öffentlich zugänglicher Datensatz die Anonymität von Befragten gewährleistet, können DatenproduzentInnen Datenarchive konsultieren. WISDOM führt eine unabhängige Vertraulichkeitsprüfung von übermittelten Datensätzen durch und arbeitet mit ForscherInnen/ DatengeberInnen gemeinsam an der Lösung und Vermeidung von Problemen in Zusammenhang mit der Vertraulichkeit von quantitativen wie qualitativen Forschungsdaten.