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Reinhard Sieder

Reinhard Sieder wurde 1950 in Göstling an der Ybbs (NÖ) geboren. Er studierte Germanistik und Geschichte an der Universität Wien, wo er 1975 mit einer Arbeit über Persönlichkeitsbildung in Haus und Familie promovierte.

Von 1976 bis 1982 war er im Rahmen von Forschungsprojekten zur Geschichte der Familie in Österreich und in Europa bei Michael Mitterauer am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte (Universität Wien) Forschungsassistent. Im Dezember 1982 wurde er zum Universitätsassistenten am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte bestellt.

Er begann seine Arbeit theoretisch und methodologisch neu zu orientieren und setzte sich intensiv mit Methodologien der Soziologie, der Ethnologie und Kulturanthropologie auseinander. Er entwickelte Methoden des Erinnerungsinterviews für Zwecke der Sozial- und Zeitgeschichte. Seine Forschungen konzentrierten sich in der Folge auf die Alltagsgeschichte, besonders der Wiener Arbeiterschaft. Daraus entstand 1989 seine Habilitationsschrift "Zur alltäglichen Praxis der Wiener Arbeiterschaft im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts". 1997 wurde ihm der Amtstitel eines Außerordentlichen Universitätsprofessors verliehen, seit 2010 ist er Institutsvorstand des Instituts für Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Seine Forschungsschwerpunkte sind Sozialgeschichte und Soziologie der Familie; Jugendkulturen; Kindheitsforschung; Theorien und Methoden der historischen Sozialforschung und der Kulturwissenschaften.

Reinhard Sieder lehrte bisher u.a. an der Universität Wien (Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Institut für Soziologie, Institut für Völkerkunde), an den Universitäten in Salzburg und Budapest, am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz, sowie an der University of London.

Publikationen | Pionierinterview (Transkript) | Pionierinterview (Audio)

  • Archivierte Studien

    Lebensgeschichte eines Hitlerjungen aus gutem Hause
    Ein Projekt über Wiener Jugendliche in Nationalsozialistischen Jugendorganisationen – Jugendopposition – Normalisierung in der Nachkriegsgesellschaft (ca. 1930 bis ca. 1950) von Reinhard Sieder

    In diesem Forschungsprojekt (1988-1990) wurden Personen zu ihren Erinnerungen an ihre Jugend während des Dritten Reichs befragt und gaben Auskunft bezüglich Praktiken und Erfahrungen sowohl im privaten Bereich als auch im Bereich informelle Jugendgruppen (Schlurfs) und formelle Jugendorganisationen (HJ, BDM). Projektleiter Reinhard Sieder interviewte Peter Treumann (Pseudonym), einen Hitlerjungen aus gutem Hause, der über seine Erlebnisse in der Hitlerjugend berichtet. Für die hier dokumentierten acht Interviews wurde der Erzählzeitraum als die Zeit von der frühen Kindheit des Interviewten in den 1920er-Jahren bis zu seiner ersten zivilberuflichen Arbeit als Kriegsreporter und Zeitungsjournalist nach dem Zweiten Weltkrieg definiert. Durch eben diese Tätigkeit und sein ausgeprägtes politisch-historisches Wissen gelingt dem Befragten über seine persönliche Geschichte einen Einblick in die allgemeinen Verhältnisse dieser Zeit zu geben.

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