CESSDA
Das European Strategy Forum on Research Infrastructures (ESFRI) hat in den letzten Jahren einen langfristigen Fahrplan zur Etablierung von neuen paneuropäischen Forschungsinfrastrukturen entwickelt. Die „European Roadmap for Research Infrastructures“ (2006) umfasst eine Liste von 35 potentiellen Großprojekten, von denen in den nächsten Jahren einige oder möglicherweise sogar viele zu europäischen Infrastruktureinrichtungen für die Forschung avancieren werden.
Die Sozial- und Geisteswissenschaften sind in der Roadmap zwar mit insgesamt sechs Projekten vertreten, ihr Volumen nimmt sich aber – verglichen mit anderen Wissenschaftsclustern – eher bescheiden aus. Nach einer ersten Phase, in der EU-finanzierte Feasibilitystudien für fünf dieser Projekte durchgeführt wurden, beteiligt sich Österreich nun langfristig an vier Projekten, und zwar an:
- CESSDA (Council of European Social Science Data-Archives)
- ESS (European Social Survey)
- SHARE (Survey of Health, Ageing and Retirement)
- CLARIN (Common Language Resources and Technology Infrastructure)
Für das Datenarchiv relevant ist die österreichische Beteiligung am CESSDA Projekt; CESSDA ERIC (European Research Infrastructure Consortium), wie es nach Abschluss der Machbarkeitsstudie in Weiterführung heißt und das in Österreich von den Bundesministerien für Wissenschaft und Forschung (BMWF) und für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK) getragen wird.
CESSDA-ERIC, als Zusammenschluss europäischer Datenarchive, wird als verteiltes Netzwerk organisiert, das sich aus einem verhältnismäßig kleinen Zentrum und einer größeren Anzahl von Knoten in den einzelnen Ländern zusammensetzt. Diese zukünftigen nationalen Knoten – und Österreich bildet über WISDOM als akkreditiertes CESSDA-Mitglied einen dieser nationalen Knoten - müssen sich zentral den Aufgaben der nationalen wie der grenzüberschreitenden Archivierung und Dokumentation von Datenbeständen widmen.
In den österreichischen Sozialwissenschaften werden zwar seit Jahrzehnten quantitative wie qualitative Daten in großer Menge produziert; diese bleiben aber nach ihrer Primäranalyse in den meisten Fällen ungenutzt und für die weitere sozialwissenschaftliche Community unsichtbar. Mehr noch, es besteht in der Regel keine Möglichkeit, sich am Beginn von sozialwissenschaftlichen Projekten einen repräsentativen Überblick zu vorhandenen Studien und Ergebnissen zu verschaffen und die neuen Analysen in passende historische oder vergleichende Kontexte zu setzen.
Durch den Aufbau einer neuen europäischen Infrastruktureinrichtung im Bereich der Archivierung von quantitativen und qualitativen Daten (CESSDA-ERIC) und durch die geplante österreichische Teilnahme daran, müssen die bisherigen Umgangsformen im Bereich der Datendokumentation und der Datenarchivierung schlagartig verbessert werden, damit auch größere österreichische Datenbestände in das neue Datenarchiv integriert werden können.
Mit der Vorbereitungsphase im Jahre 2009 im Rahmen des Projekts „CESSDA-ERIC: Ausbau der österreichischen Datennetzwerke“ wurde der wichtige erste Schritt zur Etablierung eines österreichischen Knotens im Rahmen der neuen europäischen Forschungsinfrastruktur CESSDA-ERIC unternommen. Auf diesen Schritt müssen nun weitere folgen, welche die bisher erreichte Organisation einerseits absichern und andererseits auch sukzessive im Sinne der europäischen Einbindungen erweitern und ausbauen.
In diesem Projekt geht es langfristig somit darum, das – gerade im internationalen Maßstab – noch immer starke nationale Defizit in den sozialwissenschaftlichen Forschungsinfrastrukturen zumindest ansatzweise zu beseitigen und passende Vernetzungsarbeiten für die Teilnahme an CESSDA-ERIC weiterzuführen. Die Zielsetzungen von CESSDA-ERIC National können daher wie folgt beschrieben werden:
- Erstens, der Aufbau eines Datenportals für quantitative sowie qualitative Daten, welches die wichtigste Kommunikations- und Interaktionsplattform für die österreichische Community bildet.
- Zweitens, wird es in diesem Datenportal zu entsprechenden Übersichten im Bereich der Metadaten kommen.
- Drittens, sollen jene Standards und Tools der Datendokumentation implementiert werden, die sich für die Einbindung der österreichischen Datenbestände in das neue CESSDA-ERIC als notwendig erweisen.
- Viertens, soll auf diesem Portal eine ganze Reihe von Datenservices implementiert werden, die sich für die Recherchen für wie für die Durchführung von Forschungsprojekten als wichtig erweisen.
- Fünftens, soll der Bereich der Lehre und Ausbildung vorangetrieben werden, um dem Bereich der Datendokumentation und –archivierung einen entsprechenden Stellenwert zu geben und dieses Gebiet zum integralen Bestandteil normaler sozialwissenschaftlicher Forschungskompetenzen zu befördern.
- Sechstens, soll die Öffentlichkeitsarbeit innerhalb und außerhalb der sozialwissenschaftlichen Community intensiviert werden, um beispielsweise auch Änderung in den Rahmenbedingungen für Datenarchivierungen zu erwirken.
- Siebentens, soll – begleitend – eine sozialwissenschaftliche Forschungsdokumentationen aktualisiert und möglichst vervollständigt werden, um aus der derzeit prekären Situation vielfältigster Forschungsdokumentationen seitens einer Vielzahl von Akteuren zu kommen, die jeweils nur die Forschungen ihres eigenen Bereichs auf eher unterschiedliche Weisen dokumentieren.
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