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Netzwerke & Kooperationen

WISDOM ist bemüht, national und international Kooperationen mit anderen Datenarchiven, infrastrukturellen Einrichtungen, Forschungseinrichtungen, sowie Fördergebern aufzubauen und zu festigen. Durch Vernetzungen auf nationaler, wie internationaler Ebene soll der größtmögliche Zugang zu österreichischen, europäischen und internationalen Datensätzen garantiert werden. So ist die Idee von CESSDA, dass ForscherInnen über das jeweilige nationale Datenarchiv Zugriff auf Datensätze aus ganz Europa haben. Auf nationaler Ebene ist WISDOM bemüht, Datenquellen zu erschließen und sichtbarer zu machen, die anderweitig nur eingeschränkt bekannt wären; bspw. wurden größere Datensätze des Oral History Archivs in Graz im WISDOM Katalog erfasst. Über das möglichst umfangreiche Verfügbarmachen von Datenressourcen hinausgehend soll durch Kooperationen, bspw. mit anderen Archiven, außerdem sichergestellt werden, dass die internationale Anschlussfähigkeit in der Aufbereitung und Dokumentation von qualitativen und quantitativen Daten gewährleistet werden kann und neueste Entwicklungen und Fortschritte in die Arbeit auf nationaler Ebene integriert werden können. Auch können Kooperationspartner, insbesondere andere spezialisierte Archive, helfen, Datenmaterial zu bearbeiten, das anderenfalls nicht bearbeitet werden könnte (z.B. umfangreiches Videomaterial auf alten Tonträgern). Und nicht zuletzt ist ein weiteres Ziel der Vernetzungstätigkeiten, die DatengeberInnen und NutzerInnen stärker in die Gestaltung des „Datenlebenszyklus“ einzubinden und hier Dialoge zwischen DatenproduzentInnen und SekundärnutzerInnen, ForscherInnen und ArchivarInnen, Förderinstitutionen und Archiven zu initiieren.

Datenarchivierung und Sekundärnutzung und hier insbesondere zunehmend auch qualitative Datenarchivierung und Sekundärnutzung werden rezent vermehrt in verschiedensten wissenschaftlichen Diskursen thematisiert. Wir bemühen uns, diesen Diskurs aktiv mitzugestalten und stellen diesbezüglich gerne Informationen zur Verfügung.


  • CESSDA

    CESSDA

    Das European Strategy Forum on Research Infrastructures (ESFRI) hat in den letzten Jahren einen langfristigen Fahrplan zur Etablierung von neuen paneuropäischen Forschungsinfrastrukturen entwickelt. Die „European Roadmap for Research Infrastructures“ (2006) umfasst eine Liste von 35 potentiellen Großprojekten, von denen in den nächsten Jahren einige oder möglicherweise sogar viele zu europäischen Infrastruktureinrichtungen für die Forschung avancieren werden.

    Die Sozial- und Geisteswissenschaften sind in der Roadmap zwar mit insgesamt sechs Projekten vertreten, ihr Volumen nimmt sich aber – verglichen mit anderen Wissenschaftsclustern – eher bescheiden aus. Nach einer ersten Phase, in der EU-finanzierte Feasibilitystudien für fünf dieser Projekte durchgeführt wurden, beteiligt sich Österreich nun langfristig an vier Projekten, und zwar an:

    • CESSDA (Council of European Social Science Data-Archives)
    • ESS (European Social Survey)
    • SHARE (Survey of Health, Ageing and Retirement)
    • CLARIN (Common Language Resources and Technology Infrastructure)

    Für das Datenarchiv relevant ist die österreichische Beteiligung am CESSDA Projekt; CESSDA ERIC (European Research Infrastructure Consortium), wie es nach Abschluss der Machbarkeitsstudie in Weiterführung heißt und das in Österreich von den Bundesministerien für Wissenschaft und Forschung (BMWF) und für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK) getragen wird.

    CESSDA-ERIC, als Zusammenschluss europäischer Datenarchive, wird als verteiltes Netzwerk organisiert, das sich aus einem verhältnismäßig kleinen Zentrum und einer größeren Anzahl von Knoten in den einzelnen Ländern zusammensetzt. Diese zukünftigen nationalen Knoten – und Österreich bildet über WISDOM als akkreditiertes CESSDA-Mitglied einen dieser nationalen Knoten - müssen sich zentral den Aufgaben der nationalen wie der grenzüberschreitenden Archivierung und Dokumentation von Datenbeständen widmen.

    In den österreichischen Sozialwissenschaften werden zwar seit Jahrzehnten quantitative wie qualitative Daten in großer Menge produziert; diese bleiben aber nach ihrer Primäranalyse in den meisten Fällen ungenutzt und für die weitere sozialwissenschaftliche Community unsichtbar. Mehr noch, es besteht in der Regel keine Möglichkeit, sich am Beginn von sozialwissenschaftlichen Projekten einen repräsentativen Überblick zu vorhandenen Studien und Ergebnissen zu verschaffen und die neuen Analysen in passende historische oder vergleichende Kontexte zu setzen.

    Durch den Aufbau einer neuen europäischen Infrastruktureinrichtung im Bereich der Archivierung von quantitativen und qualitativen Daten (CESSDA-ERIC) und durch die geplante österreichische Teilnahme daran, müssen die bisherigen Umgangsformen im Bereich der Datendokumentation und der Datenarchivierung schlagartig verbessert werden, damit auch größere österreichische Datenbestände in das neue Datenarchiv integriert werden können.

    Mit der Vorbereitungsphase im Jahre 2009 im Rahmen des Projekts „CESSDA-ERIC: Ausbau der österreichischen Datennetzwerke“ wurde der wichtige erste Schritt zur Etablierung eines österreichischen Knotens im Rahmen der neuen europäischen Forschungsinfrastruktur CESSDA-ERIC unternommen. Auf diesen Schritt müssen nun weitere folgen, welche die bisher erreichte Organisation einerseits absichern und andererseits auch sukzessive im Sinne der europäischen Einbindungen erweitern und ausbauen.

    In diesem Projekt geht es langfristig somit darum, das – gerade im internationalen Maßstab – noch immer starke nationale Defizit in den sozialwissenschaftlichen Forschungsinfrastrukturen zumindest ansatzweise zu beseitigen und passende Vernetzungsarbeiten für die Teilnahme an CESSDA-ERIC weiterzuführen. Die Zielsetzungen von CESSDA-ERIC National können daher wie folgt beschrieben werden:

    • Erstens, der Aufbau eines Datenportals für quantitative sowie qualitative Daten, welches die wichtigste Kommunikations- und Interaktionsplattform für die österreichische Community bildet.
    • Zweitens, wird es in diesem Datenportal zu entsprechenden Übersichten im Bereich der Metadaten kommen.
    • Drittens, sollen jene Standards und Tools der Datendokumentation implementiert werden, die sich für die Einbindung der österreichischen Datenbestände in das neue CESSDA-ERIC als notwendig erweisen.
    • Viertens, soll auf diesem Portal eine ganze Reihe von Datenservices implementiert werden, die sich für die Recherchen für wie für die Durchführung von Forschungsprojekten als wichtig erweisen.
    • Fünftens, soll der Bereich der Lehre und Ausbildung vorangetrieben werden, um dem Bereich der Datendokumentation und –archivierung einen entsprechenden Stellenwert zu geben und dieses Gebiet zum integralen Bestandteil normaler sozialwissenschaftlicher Forschungskompetenzen zu befördern.
    • Sechstens, soll die Öffentlichkeitsarbeit innerhalb und außerhalb der sozialwissenschaftlichen Community intensiviert werden, um beispielsweise auch Änderung in den Rahmenbedingungen für Datenarchivierungen zu erwirken.
    • Siebentens, soll – begleitend – eine sozialwissenschaftliche Forschungsdokumentationen aktualisiert und möglichst vervollständigt werden, um aus der derzeit prekären Situation vielfältigster Forschungsdokumentationen seitens einer Vielzahl von Akteuren zu kommen, die jeweils nur die Forschungen ihres eigenen Bereichs auf eher unterschiedliche Weisen dokumentieren.

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  • ICPSR

    ICPSR

    WISDOM ist seit dem 1. Dezember 2004 Kooperationspartner des ICPSR -Inter-University Consortium for Political and Social Research. Bei dem ICPSR handelt es sich um das größte sozialwissenschaftliche Datenarchiv weltweit. Das ICPSR ist Teil der Universität von Michigan und in Ann Arbor beheimatet. Die Datenbestände belaufen sich momentan auf über 5700 Studien aus den Kernbereichen Politologie und Soziologie, aber auch aus vielen anderen Bereichen der empirischen Sozialforschung, wie der historischen Sozialforschung, den Wirtschaftswissenschaften oder der Sozialpsychologie. Die Daten decken einen großen thematischen Umfang ab, von Sozialstrukturanalysen Frankreichs im 19. Jahrhundert bis zu den neuesten amerikanischen Studien zu Wahlergebnissen, Gesundheit, Strafjustiz, Gesundheitswesen, Erziehung oder Gerontologie.

    WISDOM, als nationaler Partner des ICPSR in Österreich, ist in der Lage, die ICPSR Datenbestände allen interessierten Universitäten, Instituten und Forschungsstellen und den damit assoziierten MitarbeiterInnen und Studierenden zur Verfügung zu stellen. WISDOM ist berechtigt, nationale Mitgliedschaften zu vergeben, um auf diesem Weg einen unbürokratischen, direkten Zugang zu den Leistungen des ICPSR zu gewährleisten. Die jährliche Gebühr einer nationalen Mitgliedschaft über das WISDOM beträgt $ 500; im Vergleich dazu liegen die normalen Mitgliedssätze des ICPSR, je nach Organisationsgröße, zwischen $ 3.980 und $ 12.730.

    Als weiteres Leistungsangebot bietet das ICPSR ein umfangreiches Aus- und Weiterbildungsprogramm im Rahmen ihres Summer Program in Quantitative Methods of Social Research an. Dieses breit gefächerte Fortbildungsprogramm beinhaltet Kurse zu den Themen Forschungsdesign, Statistik, Datenanalyse und soziologische Methoden im Umfang von drei Tagen bis zu vier Wochen an, welche den Mitgliedsorganisationen zu reduzierten Gebühren zugänglich sind.

    Diesbezügliche Anfragen richten Sie an:
    Mag. Christian Bischof, bischof@wisdom.at
    Tel.: +43-1-319 41 31 DW5

  • Oral History Archiv Graz

    Oral History Archiv Graz

    Das Oral History Archiv in Graz wurde 1984 von Gerald Schöpfer am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Graz, kurz OHA-WISOG Graz, begründet. Das Archiv verfügt eine Sammlung von über 2.300 Zeitzeugen-Interviews zur Zeitgeschichte Österreichs, vornehmlich der Steiermark. Die Interviews des Archivs wurden von InstitutsmitarbeiterInnen und StudentInnen erhoben und orientieren sich an verschiedenen „Konzepten“.

    • Im Konzept „Allgemeine Lebensläufe“ werden Angehörige aller sozialen Schichten, von der Kammerzofe des letzten Kaisers (Karl I.) bis zu Politikern als Zeitzeugen zu ihren Leben befragt.
    • Im Konzept „Soziale Gruppen“ werden etwa Pflichtschullehrer, Handwerksmeister oder die Bewohner einer Ortschaft zu ihren Lebenserfahrungen im spezifischen Lebensumfeld befragt.
    • Im Konzept „Perioden“ werden bestimmte Phasen der Zeitgeschichte (etwa Wirtschaftskrisen und Aufschwünge) im Alltag der Befragten aus deren Erinnerungen rekonstruiert.
    • Im Konzept „Spezielle Themen“ werden bestimmte Inhalte des biographischen Alltages wie etwa Umweltverhalten, Sparverhalten, Freizeitkultur, Kindererziehung etc. oder spezielle Ereignisse aus dem subjektiven oder sozialen Leben wie Heiraten oder politische Wahlen etc. schwerpunktmäßig rekonstruiert.

    Das Archiv bewahrt Interview-Transkripte, Audioaufnahmen und Erinnerungsstücke wie Briefe, Fotos, Urkunden etc. auf. Die Archivsammlung wird fortlaufend aktualisiert. Das OHA-WISOG verfügt allerdings nicht über einen Online-Datenkatalog, über den NutzerInnen nach passenden Studien suchen könnten. NutzerInnen sind auf Vorort-Recherchen angewiesen, was einer österreichweiten Nutzung der Daten nicht zuträglich ist und die Sichtbarkeit der Daten extrem einschränkt. In Zusammenarbeit mit WISDOM wurden daher bereits zwei größere Studien in den WISDOM-Katalog integriert und ebenfalls mit einer Metadatenbeschreibung dokumentiert. Die Daten selbst bleiben weiterhin am OHA-WISOG und können über WISDOM dort angefragt werden. Für die Nutzung gilt in Folge die Benutzungsordnung des OHA-WISOG.

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  • Arbeitsgruppe Qualitative Daten

    Arbeitsgruppe Qualitative Daten

    Im April 2010 wurde die Arbeitsgruppe Qualitative Daten von Arofan Gregory (Metadata Technology) zum ersten Mal einberufen. Der Vorsitz liegt bei Louise Corti, Direktorin von ESDS Qualidata (UK Data Archive). In etwa zwei Mal monatlich treffen die 21 Mitglieder der Arbeitsgruppe aus Europa, Amerika und Australien über Skype zusammen, um gemeinsam über neue Entwicklungen im Bereich qualitative Datenarchivierung zu diskutieren und nächste Arbeitsschritte zu planen. WISDOM ist seit der Gründung ein Mitglied der Arbeitsgruppe.

    Die Definition und Bearbeitung gemeinsamer Anliegen steht bei und über die Treffen hinausgehend im Mittelpunkt der gemeinsamen Arbeit. Gerade qualitative Archive verwenden teils sehr unterschiedliche Standards und Werkzeuge für die Dokumentation und Aufbereitung der Daten. Ein Fokus der bisherigen Arbeiten lag auf den Erfordernissen, die im Zuge der unterschiedlichen nationalen Spezifika bisher noch unzureichend gelöst wurden. An diesen Punkten wurde in weiterer Folge auch angesetzt, um gemeinsam neue Wege und Lösungen zu erarbeiten. Ein Thema, mit dem sich die Arbeitsgruppe augenblicklich auseinandersetzt, sind Metadatenstandards zur Beschreibung qualitativer Daten, welche die Besonderheiten qualitativer Erhebungskontexte und Datenressourcen berücksichtigen. Auch ein kontrolliertes Vokabular für die Beschreibung und Beschlagwortung der Daten wird erarbeitet und soll nach der Fertigstellung neben Englisch auch in andere Sprachen übersetzt werden. Dadurch, dass sich sehr ungleich entwickelte und etablierte Archive mit äußerst unterschiedlichen Datenressourcen an der Arbeitsgruppe beteiligen, ist die Ausgangslage komplex und erfordert viel Abstimmung. Zur Verbesserung der gegenseitigen Anschlussfähigkeit gibt es das starke Bemühen, Vorteile verschiedener Strategien zusammenzuführen und einheitlichere Lösungen zu finden. Außerdem wird versucht, zusätzliche Fördergelder aufzustellen, um finanziell benachteiligten Archiven zu ermöglichen, an internationale Standards und Entwicklungen anzubinden und so das Gesamtprojekt in größerem Maße voranzutreiben.

  • ESDS Qualidata (UK Data Archive)

    ESDS Qualidata (UK Data Archive)

    ESDS Qualidata an der Universität von Essex, ist ein Service des Economic and Social Data Service (ESDS), das vom UK Data Archive (UKDA) geleitet wird. ESDS Qualidata nimmt im Bereich qualitative Datenarchivierung im europäischen und internationalen Raum eine Vorreiterrolle ein, sowohl was den Beginn der Archivierungstätigkeiten im Gründungsjahr 1994 betrifft, als auch hinsichtlich der Entwicklung neuer Standards und Tool sowie methodischer Schwerpunkte. Das Economic and Social Research Council (ESRC) finanziert gemeinsam mit dem Joint Informations System Committee (JISC) ESDS Qualidata, das sich mittlerweile von einer kleinen Einrichtung zu einem internationalen Zentrum für die Archivierung qualitativer Daten mit ca. zehn fixen MitarbeiterInnen entwickelt hat und heute eine breite Palette an qualitativen Daten aus unterschiedlichsten Disziplinen archiviert.

    Ein Schwerpunkt des Archivs besteht in der Archivierung von digitalen Daten aus qualitativer und qualitativ-quantitativer Forschung aus aktuellen Forschungsprojekten, aber auch aus klassischen nationalen Studien, die auch in anderen Formaten gelagert und seit den letzten fünf Jahren z.T. elektronisch aufbereitet werden. Seit 2000 sind ESRC geförderte ProjektleiterInnen dazu verpflichtet, ihre Daten nach Abschluss des Projektes - entsprechend aufbereitet - dem Archiv zur Verfügung zu stellen (ESRC Data Policy 2000). Durch diese Top-down Politik von Seiten eines der wichtigsten Fördergeber, ist es gelungen derzeit ca. 4.000 Datensätze aufzubereiten und für Sekundärnutzungen in Forschung und Lehre zur Verfügung zu stellen. Die Suche über einen Online Katalog, der auch auf andere Archive verweist, erleichtert den Zugriff auf Informationen zu den Daten. Zusätzlich zum Datenservice bietet Qualidata Anleitungen und Leitfäden für die Auswahl, Aufbereitung und Dokumentation von Rohdaten, sowie deren Metadaten; die systematische Beschreibungen der Studien für web-basierte Datenbank- und Suchsysteme; die Klärung ethischer Fragen und Zugangsbestimmungen, sowie Trainings für ForscherInnen und NutzerInnen der Daten.

    Seit Gründung des qualitativen Archivs am WISDOM im Jahr 2008 bestehen gute Kontakte zu und ein reger Austausch mit ESDS Qualidata. Beginnend mit einem ersten Besuch des Archivs 2008, schlossen sich seither regelmäßig weitere Aufenthalte in Essex an, bei denen einschlägige Veranstaltungen zu den Themen Datenschutz und Forschungsethik, Datenmanagement und Datendokumentation sowie Pioniere der qualitativen Forschung besucht wurden. Im Zuge dieser Kontakte ergab sich u.a. auch die Teilnahme von WISDOM am Workshop Qualitative Longitudinal Research and Qualitative Resources in Europe: Mapping the Field and Exploring Strategies for Development in Bremen im April 2009, aus dem 2011 eine Publikation bei dem Online Journal IASSIST hervorgehen wird. Außerdem wird ausgehend von dieser Veranstaltung gemeinsam mit ArchivarInnen anderer qualitativer Archive in Europa nach Möglichkeiten gesucht, qualitative Datenarchivierung weiter zu fördern und voranzutreiben. Im April 2010 schließlich hat WISDOM zwei ExpertInnen von ESDS Qualidata nach Wien eingeladen. Im Zuge des Besuchs am WISDOM fanden auch eine Podiumsdiskussion und ein Datenmanagement Workshop statt.

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  • Archiv für Lebenslaufforschung (ALLF)

    Archiv für Lebenslaufforschung (ALLF)

    In Deutschland gibt es kein nationales Archiv für qualitative Daten, nur einige kleinere, verstreute Archive mit sehr spezialisierten Themenschwerpunkten. Das Archiv für Lebenslaufforschung (ALLF), das seit 2001 Teil der Bremen International Graduate School of Social Sciences (BIGSSS) in Kooperation mit dem Institut für empirische und angewandte Soziologie (EMPAS) an der Universität Bremen ist, ist mit ca. 700 dokumentierten Interviews das größte deutsche Archiv für qualitative Daten. Die Beschränkung auf Interviews erfolgte aus dem Grund, dass diese das beste Material für Sekundäranalysen zur Verfügung stellen und in vielen qualitativen Projekten verwendet werden. Die Interviews stammen zum großen Teil aus Längsschnittuntersuchungen des Sonderforschungsbereiches (Sfb) 186 "Statuspassagen und Risikolagen im Lebenslauf" (1988-2001, DFG-finanziert) zu verschiedenen Übergängen und Statuspassagen im Lebenslauf. Das ALLF hat sich zur Aufgabe gemacht, wichtiges und kostenintensiv erhobenes qualitatives Datenmaterial vor endgültigem Verlust zu bewahren, die zu archivierenden Daten zu digitalisieren, um die Verfügbarkeit der Daten durch schnelleren Zugriff, eine geringe Lagerkapazität und eine einfache Weitergabe zu optimieren sowie die archivierten Forschungsdaten für die Sekundärnutzung in der Forschung, der akademischen Lehre und für Qualifikationsarbeiten bereitzustellen. Es soll somit dazu beitragen, die sehr zeit- und kostenintensiven Aufwendungen für die Erhebung und Aufbereitung verbaler Daten zu reduzieren, den hohen Informationsgehalt und damit das über die Zielsetzungen der Primärforschung hinausgehende Analysepotential der verbalen Daten auszuschöpfen, als auch der Forderung nach Transparenz von Forschung gerecht zu werden. Der Ausbau des ALLF zu einem bundesweiten Servicezentrum für qualitative Daten (QualiService) ist angedacht: Es soll Zentralarchiv sein und sich mit Datenakquirierung, -Aufbereitung und -Weitergabe befassen, als Schlüsselstelle und Vermittler zu anderen Archiven fungieren, an Methoden und Standards arbeiten, sowie Trainings und Lehrprogramme anbieten. Den Grundlagen dafür wurde im Rahmen einer Machbarkeitsstudie nachgegangen.

    WISDOM hat bereits im Jahr 2008 mit dem ALLF Kontakt aufgenommen. Im Juni 2008 wurde der damalige Leiter des Archivs, Dr. Andreas Witzel im Zuge eines vom bmwf geförderten Projekts für einen Workshop nach Wien eingeladen. Auch in den folgenden Jahren fungierte das ALLF immer wieder als wichtiger Partner für den Austausch zu archivspezifischen Aktivitäten im deutschsprachigen Raum.

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  • Phonogrammarchiv ÖAW

    Phonogrammarchiv ÖAW

    Das Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ist das älteste Schallarchiv der Welt. Gegründet wurde es 1899 von der damaligen Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, als weltweit erstes interdisziplinäres Schallarchiv für die Wissenschaft. Die Hauptaufgabe war und ist die Herstellung und Archivierung audiovisueller Forschungsdokumente, sowie die Unterstützung österreichischer ForscherInnen bei der Erstellung und Sicherung audiovisueller Quellen. Seit 2001 hat das Archiv seinen Tätigkeitsbereich um die Archivierung und Bewahrung videografischer Forschungsdokumente erweitert. Der Aufgabenbereich des Phonogrammarchivs beinhaltet seitdem die Bewahrung, Herstellung, Sammlung, Erschließung und Bereitstellung von wissenschaftlichen Schall- und Videoaufnahmen, d.h. eigens für Forschungszwecke unter kontrollierten und protokollierten Bedingungen hergestellte akustische und videographische Quellen, ohne disziplinäre und regionale Einschränkungen. Dazu verfügt das Institut über Audio-Einspielstationen, Video-Archivierungsstudios, ein Aufnahmestudio, ein Re-Recording-Laboratorium, eine Audio-Signalverarbeitungs-Workstation, Abhör- und Ansichtsplätze, Geräte-Serviceplätze und Kopierplätze. Sammelschwerpunkte sind Vor-Ort-Aufnahmen von Musik, Sprachen und soziokulturellen Events Afrikas, Lateinamerikas, Südasiens, Chinas, des Orients und Balkans, der Roma und Sinti u.a. Minoritäten; österreichische Volksmusik und Dialekte; Dokumentationen des multikulturellen Lebens in Wien sowie mechanische Musikinstrumente. Die Benützung der Bestände ist beschränkt für Forschungszwecke, nach Maßgabe der jeweiligen rechtlichen Vereinbarung mit den Deponenten.

    Aufgrund der unterschiedlichen Expertisen der beiden Datenarchive können DatengeberInnen nach der Art des Datenmaterials (Sprach-, Ton- bzw. Bildaufzeichnungen) an das jeweils adäquatere Archiv verwiesen werden bzw. könnten die Daten auch doppelt archiviert werden, um so eine größere Sichtbarkeit zu erreichen.

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