Jugend
Jugendforschung befasst sich - allgemein gesprochen - mit den Bedingungen unter denen Heranwachsende diese Lebensphase durchlaufen, welche Faktoren zu einer gelungenen Entwicklung beitragen und welchen Einfluss die junge Generation auf die Gesellschaft als Ganzes ausübt. Jugendforschung ist ein interdisziplinäres Feld, an dem maßgeblich die Erziehungswissenschaft, die Soziologie und die Psychologie beteiligt sind. Sie ist als Forschung im eigentlichen Sinne vergleichsweise jung und stellt dennoch in der Geistes- und Sozialwissenschaft neben der Kindheitsforschung einen der großen Themenschwerpunkte dar. Von 'der' Jugendforschung kann kaum die Rede. Vielmehr handelt es sich um eine vielteilige Wissenschaft, die sich für die Identitätsentwicklung ebenso interessiert wie für Drogenkonsum, politische Einstellungen, Familienbeziehungen oder Bildungsverhalten.
 
Das WISDOM hat seit seinem Bestehen eine größere Zahl von Studien zum Thema Jugend aufbereitet und archiviert. Diese sollen nun kurz vorgestellt werden, die vollständige Dokumentation ist direkt über den Nesstar Datenserver abrufbar.
- Allgemeine Jugendstudien
- 4. Bericht zur Lage der Jugend: Jugendradar 2003
- BMGFJ Jugendwertestudie 2006
Diese beiden Erhebungen wurden im Auftrag der für Jugendagenden zuständigen Ministerien durchgeführt. Die Studien beschränken sich nicht auf einen eingegrenzten thematischen Schwerpunkt, sie behandeln vielmehr verschiedenste Lebensbereiche, die im Alltag junger ÖsterreicherInnen von Bedeutung sind, wie: Verhältnis zur eigenen Familie, Entscheidungsfindungsprozesse innerhalb der Familie, Umfeld, aus dem sich FreundInnen rekrutieren, Bedeutung von Wertvorstellungen, Ängste und Sorgen zu bestimmten Lebensbereichen, Bedeutung von Politik im Lebensalltag, Interesse an politischem Engagement, etc.
- Jugend im Grenzland 2005
- Jugend im Grenzland 2009
Ziel dieser Studien ist die vergleichende empirische Analyse der Orientierungen und Handlungsmotive Jugendlicher in den Grenzregionen Niederösterreichs (Weinviertel), Südmährens und der Westslowakei, um Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten aufzuzeigen sowie Datenmaterial zu erhalten, welches als Argumentationsgrundlage zur Erarbeitung von Förderkonzepten für die Jugendarbeit diesseits und jenseits der Grenze Anwendung finden kann. Vor allem die Bereiche Politik, Gesellschaft und Kultur werden systematisch untersucht.
- Politische Partizipation
- Junge Menschen und Demokratie in Europa (EUYOUPART)
EUYOUPART (2003-2005) ist ein länderübergreifendes Projekt, an dem sich die Länder Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Italien, Österreich, Slowakei und Großbritannien beteiligt haben. Ziel dieses Projekts war die Entwicklung eines neuen Messinstruments für das politische Partizipationsverhalten Jugendlicher in Europa. Die Herausforderung bestand darin, trotz der unterschiedlichen politischen Kulturen, den unterschiedlichen Partizipationsmöglichkeiten, der unterschiedlichen Forschungstraditionen sowie der Übertragungsproblematik einzelner Konzepte in die verschiedenen Sprachen und Kulturen, eine Vergleichbarkeit der Daten sicherzustellen.
- Politische Einstellungen von Jungwählern und Jungwählerinnen
In dieser empirischen Studie anlässlich der Nationalratswahl in Österreich 2006 erhielten jene jungen Menschen besondere Aufmerksamkeit, die sich durch hohe Bildung, einen intensiven Medienkonsum und ein deklariertes politisches Interesse auszeichnen. Die Untersuchung wurde mittels Online-Befragung im Internet in Zusammenarbeit mit dem Online-Politikspielbetreiber und der online Ausgabe der Tageszeitung Der Standard durchgeführt. Die Studie bietet einen Blick in die politische Welt von 16 bis 29 jährigen Menschen, die gemeinhin als politikverdrossen und politisch desinteressiert gelten.
- Bildung
- Monitoring Fachhochschulen 2005
- Monitoring Universitäten 2005
- Monitoring von BildungseinsteigerInnen-MaturantInnen 2006
Das Forschungsprojekt Monitoring widmet sich verschiedenen Aspekten der Bildungs- und Berufswahlentscheidung von MaturantInnen und StudienanfängerInnen. In Form von Befragungen (telefonische und schriftliche Interviews) wurden SchülerInnen von Maturaklassen sowie StudienanfängerInnen an Fachhochschul-Studiengängen und Universitäten zu Motiven, Informationsverhalten, Entscheidungssituation sowie aktuellen Entwicklungen am Ausbildungssektor und der Berufswelt befragt. Primäres Ziel der Befragung ist es, wissenschaftliche Grundlagen für die Informationsdienstleistungen zu erhalten.
- Qualitative Studien
- Gender differences in smoking in young people
Die Studie untersucht geschlechtsspezifische Unterschiede im Rauchverhalten von Jugendlichen, wie sie verschiedentlich festgestellt worden sind. Mittels Gruppendiskussionen soll der Bedeutungszusammenhang und die Funktion des Rauchens für Burschen und Mädchen erforscht werden. Auf Basis der Ergebnisse dieses Projekts soll die Entwicklung und Implementierung von geschlechtssensiblen Raucherpräventions- und Entwöhnungsprogrammen durchgeführt werden.
- Wiener Jugendliche in Nationalsozialistischen Jugendorganisationen
Das Forschungsprojekt erhob Erinnerungen an Erfahrungen und Praktiken im Bereich informeller Jugendgruppen und formeller Jugendorganisationen im Dritten Reich, insbesondere beim Bund Deutscher Mädchen (BDM) und in der Hitlerjugend (HJ). Weiters wurden einige resistente oder widerständische Gruppen von bürgerlichen und proletarischen Jugendlichen, insbesondere von Wiener Gruppen der sog. "Schlurfs" untersucht. Archiviert sind fünf sehr ausführliche narrativ-biographische Einzelinterviews mit einer Person. Projektleiter Reinhard Sieder (Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Universität Wien) interviewte Peter Treumann (Pseudonym), einen Hitlerjungen aus gutem Hause, der über seine Erlebnisse in der Hitlerjugend berichtet.
- Jugend ohne Zukunft. Hitler-Jugend und Bund Deutscher Mädl in Österreich vor 1938
Dieses Projekt hatte das Ziel, die Bedingungen des Aufwachsens unter nationalsozialistischer Herrschaft und die damit einhergehenden Sozialisationserfahrungen genauer zu beleuchten. Im Zuge des Nationalsozialismus fand eine Verstaatlichung der Mädchenerziehung statt, die den Hintergrund einer neuen gesellschaftlichen Definition des Geschlechterverhältnisses darstellte. Da Mädchen in das Kriegsgeschehen eingebunden wurden, war dies ein Bruch mit traditionellen Geschlechtsidentitäten. Doch fand eine strikte Geschlechtersegregation statt, wodurch im Zuge dieser Jugendstaatsorganisationen unterschiedliche geschlechtsspezifische Erfahrungen gesammelt wurden. Über persönliche Gespräche mit ehemaligen Mitgliedern der Jugendstaatsorganisation sollte herausgefunden werden, welche biographischen Auswirkungen diese institutionellen Entwicklungen auf Erfahrungen, Haltungen und Lebensgestaltungen hatten. Es wurden 17 lebensgeschichtliche Interviews mit zwischen 1912 und 1930 geborenen Wienerinnen durchgeführt, die prägende Sozialisationserfahrungen in nationalsozialistischen Jugendorganisationen gemacht hatten. Interviewpartnerinnen waren Frauen älterer Jahrgänge (geboren zwischen 1921 und 1926) und jüngerer Jahrgänge (der 1927 und später Geborenen). Zwischen den beiden Altersgruppen waren unterschiedliche Erfahrungen in der Wahrnehmung der nationalsozialistischen Jugendstaatsorganisation festzustellen. Vor allem war die Verknüpfung von Organisationsgeschichte und Erfahrungsgeschichte von Interesse.
- Jugendliche: Lebensqualität, Verkehr & Mobilität
Ziel der Studie ist es, einen genaueren Blick auf die Beziehung zwischen Verkehrs- und Mobilitätsbedingungen und der Lebensqualität zu werfen. Mobilität betrifft alle Bereiche unseres Lebens und umfasst alle Aktivitäten einer Person, vom Arbeits- bis zum Freizeitbereich. Es gibt einige aktuelle Forschungsarbeiten auf europäischer Ebene, die die Beziehung zwischen Verkehrs- und Mobilitätsbedingungen und der Lebensqualität untersucht haben. Es sind jedoch weitere wissenschaftliche Studien notwendig, um ein gesamtheitliches Bild über diese Beziehung zu erhalten. Vor allem gibt es kaum Forschung darüber, inwieweit vorherrschende Mobilitätsbedingungen die Lebensqualität von jungen Leuten beeinflussen. In unserer Studie möchten wir uns daher auf die Zielgruppe der jungen VerkehrsteilnehmerInnen zwischen 14 und 19 Jahren konzentrieren. Sie stellen unsere zukünftige Generation dar. Um Ruoss (1999) zu zitieren: Die zukünftige Lebensqualität hängt davon ab, wie die Menschen mit ihren Mobilitätsbedürfnissen umgehen. Das bedeutet, dass es sehr wichtig ist, mehr über die Beziehung zwischen Verkehr und Mobilität und Lebensqualität herauszufinden, sowie über die Wünsche und Bedürfnisse der Jugendlichen hinsichtlich der Mobilitätsvoraussetzungen. Die Studie wird mittels qualitativer und quantitativer Instrumente (Fokusgruppen und quantitative Interviews, Expertendiskussionen) basierend auf einer Literaturstudie durchgeführt. Die Ergebnisse der Studie dienen dazu, Empfehlungen und einen Maßnahmenkatalog im Verkehrsbereich zu formulieren. Dieser beinhaltet Vorschläge, wie die Lebensqualitätsaspekte im Verkehrsbereich berücksichtigt werden können und welche (Planungs-) Voraussetzungen herrschen müssen, um besonders junge Leute künftig an nachhaltige Fortbewegungsmittel zu binden. Zum Seitenanfang